Karlsruhe (dpa) - Der Streit um die kommerzielle Weiterverwertung von Kurzfassungen von Literaturkritiken im Web ist vor dem Bundesgerichtshof (BGH) in eine neue Runde gegangen.

Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (FAZ) und die «Süddeutsche Zeitung» haben den Internet-Anbieter «Perlentaucher» auf Unterlassung verklagt.

Der Vorsitzende Richter des I. BGH-Zivilsenats, Joachim Bornkamm, äußerte in der mündlichen Verhandlung am Donnerstag zwar ein «Unbehagen», dass mit den Online-Zusammenfassungen der Zeitungstexte Geld verdient werde, betonte aber zugleich: «Die Sache ist durchaus offen.» Wann genau das Urteil gesprochen wird, war zunächst unklar; er kündigte aber für diesen Freitag eine Pressemitteilung an.

«Perlentaucher» hat in der Vergangenheit Kurzzusammenfassungen von Literaturkritiken im Internet verbreitet und an die Online- Buchhändler amazon.de und buecher.de weiterverkauft. Die beiden Zeitungsverlage wenden sich gegen diese Verwertung ihrer Rezensionen.

Das Landgericht und das Oberlandesgericht Frankfurt hatten die Klagen der Zeitungen abgewiesen - Urheberrechte seien nicht verletzt. Die «Abstracts» seien als freie Benutzungen der Originalrezensionen zulässig.

Die Vertreterin der Verlage kritisierte bei der Verhandlung vor dem BGH: «Das ist ein Geschäftsmodell, das die urheberrechtlichen Leistungen der Autoren zunichtemacht.» Die weitgehend wörtliche Übernahme von einprägsamen und fantasievollen Formulierungen könne nicht als eigenständige urheberrechtliche Leistung angesehen werden. Aus Sicht des «Perlentaucher»-Anwalts ähneln die «Abstracts» dagegen einer Inhaltsangabe und sind eine «neue schöpferische Gestaltung».

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