Washington (dpa) - Knapp zwei Jahre nach der gewaltigen Krise im weltweiten Finanzsystem brechen für Amerikas Geldhäuser härtere Zeiten an. Die umfassendste Finanzreform seit der großen Depression vor 80 Jahren unterbinde «diese windigen Geschäfte, die zur Krise geführt haben».

Das sagte US-Präsident Barack Obama nach Verabschiedung des Gesetzes durch den US-Senat in Washington. Die Reform führe zu mehr Sicherheit im amerikanischen Finanzsektor, der «zentral für die Fähigkeit der Nation sei, zu wachsen, zu gedeihen und mitzuhalten. Sie wird Innovationen fördern, nicht behindern.»

Das über 2000 Seiten umfassende Werk sieht schärfere Regeln für Finanzinstitute, mehr Macht für staatliche Kontrolleure und einen besseren Verbraucherschutz durch eine neue Behörde unter dem Dach der US-Notenbank vor. Zudem erhält die Regierung neue Vollmachten, zusammenbrechende Finanzinstitutionen zu übernehmen und abzuwickeln. Nach der Gesundheitsreform vom Frühjahr gilt die Billigung des Gesetzes im Kongress als zweiter großer innenpolitischer Sieg von Präsident Barack Obama in diesem Jahr. «Er weiß, wie man große Gesetze durch den störrischen Kongress bringt», lobte die «New York Times» am Freitag.

Die deutsche Bundesregierung begrüßte die US-Reform als «erfreuliches und positives Signal». Sie bewege sich im Rahmen der Empfehlungen der in der G20 zusammengeschlossenen wichtigsten Wirtschaftsnationen, sagte der Sprecher des Finanzministeriums, Michael Offer, in Berlin. Ein Vergleich mit den Plänen in Europa und Deutschland sei aber nicht in jedem Fall möglich. «Aufgrund der unterschiedlichen Spezifika des US-amerikanischen Bankensystems im Vergleich zum europäischen ist es jetzt schwer möglich, eins zu eins die Dinge zu vergleichen.» Entscheidend sei die gleiche Zielrichtung im Sinne der G20-Beschlüsse.

Obama hatte sich nach den monatelangen Vermittlungen zwischen den beiden Kongresskammern mit der Reform zufrieden gezeigt, da sie noch zu 90 Prozent seine Vorschläge enthalte. Kritiker bemängeln unter anderem, dass das Gesetz nur einen groben Rahmen schaffe, viele Details aber unklar seien. «Es antwortet nicht auf all die Gründe der Finanzkrise», sagte Peter Wallison, Finanzexperte bei der Denkfabrik American Enterprise Institute dem «Wall Street Journal». «Stattdessen schwächt es die Wirtschaft and drosselt das Wachstum.»

In der entscheidenden Abstimmung im Senat errangen die Befürworter mit 60 der rund 100 Stimmen gerade die nötige Mindestzahl, um eine Blockade durch die Opposition zu verhindern. 38 Senatoren sprachen sich dagegen aus. Beim abschließenden Votum, bei der nur eine einfache Mehrheit nötig war, stimmten ebenfalls 60 Senatoren für das Gesetz. 39 votierten dagegen. Obama will das Gesetz im Laufe nächster Woche in Kraft setzen.

Der Präsident dankte Demokraten und Republikanern für die Zustimmung, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Robert Gibbs. «Wir können nicht an denselben Regularien festhalten, die uns in dieser Rezession gestürzt haben.»