Berlin (dpa) - In der Tarifrunde bei der Deutschen Bahn sucht die Lokführergewerkschaft GDL eine Einigung ohne einen Arbeitskampf. «Ich drohe nicht mit Streiks, weil wir fest darauf setzen, auf dem Verhandlungswege zu einem Ergebnis zu kommen».

Das sagte GDL-Chef Claus Weselsky zum Auftakt der Gespräche für die rund 20 000 Lokführer am Freitag in Berlin. Beide Seiten wollen am 29. Juli weiterverhandeln. Dann will die Bahn auch zur zweiten Runde mit den Gewerkschaften Transnet und GDBA zusammenkommen, die für 165 000 Bahner anderer Berufsgruppen verhandeln. Alle Gewerkschaften wollen nun einheitliche Tarifstandards für die Bahn und die privaten Konkurrenten erzwingen.

Die GDL richtet sich auf langwierige Verhandlungen ein. «So ein anspruchsvolles Projekt hat es bisher noch nicht gegeben: ein einheitliches Tarifniveau für alle Lokführer in dieser Republik in allen Eisenbahnverkehrsunternehmen», sagte Weselsky. Beim Auftakt erklärte die Bahn ihre Bereitschaft, an einer Lösung mitzuwirken, wie ein Sprecher sagte. Mit einem Branchentarifvertrag wollen GDL, GDBA und Transnet Lohndumping verhindern. Bei privaten Bahnen liegt das Einkommensniveau teils 20 Prozent unter dem der bundeseigenen Bahn.

In den Gesprächen mit dem Konzern fordert die GDL auch fünf Prozent mehr Geld. Ein Angebot wurde noch nicht vorgelegt. Der Fahrplan der Verhandlungen sieht vor, zuerst über die strukturellen Fragen eines branchenweiten Tarifvertrags zu sprechen.

Die Friedenspflicht, in der Streiks verboten sind, endet am 31. Juli. «Da wir uns nicht von Haus aus vornehmen, diese Republik zu bestreiken, setze ich auch darauf, dass wir die Verhandlungen im August weiter fortsetzen», sagte Weselsky. Es sei «nicht die Zielstellung, mit Streiks zu arbeiten».

Transnet und GDBA verlangen Einkommensverbesserungen, die einem Plus von sechs Prozent entsprechen. Dabei geht es nicht nur um mehr Lohn, sondern auch um Arbeitszeiten, Zulagen und die Altersteilzeit. Die Bahn hat angekündigt, am 29. Juli ein Angebot vorzulegen. Die beiden Gewerkschaften haben bereits mehrmals mit Streiks gedroht, sollte bis 31. Juli kein Durchbruch für einen Branchentarifvertrag erkennbar sein.