Los Angeles (dpa) - Vor 25 Jahren führte Mel Gibson als «Sexiest Man» die Rangliste der verführerischsten Männer der Welt an. Zehn Jahre später setzte Hollywood dem Australier mit zwei Oscars die Krone auf, als er für das Epos «Braveheart» zum besten Regisseur und Produzent des besten Films ernannt wurde.

Mächtig reich wurde der «Lethal Weapon»-Star vor sechs Jahren durch das umstrittene Jesus-Drama «Die Passion Christi», eine der größten kommerziellen Sensationen der Hollywood-Geschichte: Mitsamt DVDs spielte es eine Milliarde Dollar ein - geradezu unglaublich für einen untertitelten Film, der nur für Erwachsene zugelassen war. Das US-Magazin «Forbes» stufte Gibson daraufhin 2004 als mächtigsten Künstler der Welt ein.

Doch nun sorgt das 54-jährige Multitalent für unrühmliche Schlagzeilen - wie schon 2006, als eine Schlangenlinienfahrt und üble Schimpftiraden den Höhenflug des einst strahlenden Helden bremsten. Die kalifornische Polizei ermittelt jetzt wegen Vorwürfen von häuslicher Gewalt. Mehrere Tonaufzeichnungen von lautstarken Streitigkeiten zwischen Gibson und seiner früheren russischen Lebensgefährtin Oksana Grigorieva (40) könnten ihm nun zum Verhängnis werden. Darauf soll zu hören sein, dass sich die Frau über einen handgreiflichen Vorfall beklagt, er habe ihr ins Gesicht geschlagen, während sie ihre kleine Tochter in den Armen hielt. Eine männliche Stimme gibt fluchend zurück, sie habe es «verdient».

In dem bitteren Sorgerechtsstreit um das acht Monate alte gemeinsame Töchterchen Lucia fordert die russische Sängerin, dass Gibson das Sorgerecht für das Kind entzogen wird. Am Donnerstag erhielt der Hollywoodstar von seiner früheren Frau, Robyn Moore, Schützenhilfe. In einer gerichtlichen Erklärung schreibt Moore, dass Gibson während ihrer 28-jährigen Ehe weder sie noch ihre gemeinsamen Kinder misshandelt habe. Der Internetdienst «Tmz.com» zitierte aus dem Schriftstück Moores: «Mel war ein wunderbarer und liebevoller Vater.» Das Paar hat sechs Söhne und eine Tochter. Nach fast 30 Jahren Ehe hatte Moore im April 2009 die Scheidung eingereicht, kurz zuvor waren die ersten Fotos von Gibson und der brünetten Russin aufgetaucht.

Das lautstarke Drama in fünf Teilen ist längst im Internet zu verfolgen. «RadarOnline.com» veröffentlichte das fünfte Streitgespräch mit übelsten Beschimpfungen, Flüchen und einer atemlosen Stimme - angeblich die von Gibson. Grigorieva habe das explosive Material nicht herausgegeben, sagte der Sprecher der Sängerin der US-Sendung «Entertainment Tonight». «Radaronline.com» beschwört die Echtheit der Aufzeichnungen, ein Audioexperte meldete beim Sender CNN Zweifel an, sie könnten gefälscht sein. Gibsons Anwalt hielt zunächst still, nicht aber die Polizei. Seit Donnerstag sind die Ermittler im Besitz der Bänder. Die Behörde rechnet mit mehrwöchigen Nachforschungen, dann könnte der Fall der Staatsanwaltschaft übergeben werden.

2006 blieb es nicht dabei, dass er betrunken Auto fuhr und bei der nächtlichen Festnahme einen Polizisten anpöbelte. Er beleidigte ihn auch noch als «Drecksjuden» und verfiel in eine rassistische Schimpftirade. Nach seiner Entlassung aus der Ausnüchterungszelle entschuldigte sich Gibson, Dinge gesagt zu haben, «die ich nicht für wahr halte und die verabscheuungswürdig sind». Gibson bekannte sich schuldig und kam damit um eine Haftstrafe herum. Er ging auf Entzug und hielt sich brav an die richterlichen Auflagen. 2009 wurde das Delikt «Alkohol am Steuer» aus seiner Polizeiakte gelöscht.

Mancher in Hollywood spekulierte damals, der Ruf von «Mad Mel» - dem wahnsinnigen Mel - sei ruiniert, die Karriere hin. Doch schon Ende des Skandal-Jahres meldete sich der gefallene Star mit dem Leinwandgemetzel «Apocalypto» zurück. Seine blutige Version vom Untergang einer Maya-Kultur, die Gibson ohne namhafte Stars mit 50 Millionen Dollar aus eigener Tasche finanzierte, spielte weltweit immerhin 120 Millionen Dollar ein. In diesem Jahr feierte er mit dem Thriller «Auftrag Rache» sein Comeback als Action-Star.