Schwerin (dpa) - Die Kleine spuckt große Töne. Susi Kentikian, mit gerade mal 1,55 Metern Deutschlands kleinste Box-Weltmeisterin, hat vor ihrer nächsten Titelverteidigung am 17. Juli in der Schweriner Sport- und Kongresshalle schon mächtig ausgeteilt. Verbal jedenfalls.

«Es wird auf jeden Fall eine Schlacht», sagte die 22 Jahre alte, ungeschlagene Fliegengewichtlerin vor ihrem Duell gegen die Mexikanerin Arely Mucino und kündigte an: «Ich werde den Stil boxen, den die Leute von mir kennen. Und der heißt: Vernichten.»

Das klingt martialisch und unwiderstehlich. So wollte die Hamburgerin, die gegen Mucino ihre WM-Gürtel der Verbände WBA, WBO und WIBF aufs Spiel setzt, auch im April bei ihrem letzten Ringauftritt wahrgenommen werden. Das Unterfangen ging aber nach hinten los. Der kleine Wirbelwind musste gegen Nadia Raoui (Herne) soviel Prügel wie noch nie einstecken und verließ den Ring nur mit einem höchst umstrittenen Punktsieg.

Das wurmte die in ihren 27 Kämpfen ungeschlagene Kentikian. Und brachte sie voran. «Die Kritik hat mich sogar motiviert. Ich weiß selbst, dass ich es besser kann und werde das am Samstagabend zeigen», sagte die von Magomed Schaburow trainierte Profi-Boxerin. «Die Leute kennen mich dafür, dass ich rein gehe und die Gegnerin zerstöre.»

Die Herausforderin, die zehn ihrer elf Kämpfe gewonnen hat, glaubt, das verhindern zu können. Ihr Trainer und Vater Juan sowieso: «Susi ist sehr stark, aber es wird etwas Sensationelles passieren.»

Für WBO-Weltmeister Jürgen Brähmer aus Schwerin ist der Traum von der Titelverteidigung gegen den Spanier Alejandro Lakatos vor heimischer Kulisse geplatzt. Eine Rückenverletzung, die sich der 31 Jahre alte Halbschwergewichtler im Abschlusstraining am 15. Juli zugezogen hatte, erwies sich als zu schwerwiegend. «Plötzlich habe ich im Rücken einen Schmerz verspürt, es fühlte sich an wie ein Stromschlag», berichtete Brähmer.

Da der Schweriner unbedingt boxen wollte, wurde die Entwicklung über Nacht zunächst abgewartet. «Heute zeigt sich aber, dass die Verletzung noch derart beeinträchtigend ist, dass eine Teilnahme am Wettkampf in Schwerin nicht zu verantworten ist», teilte Universum- Arzt Michael Ehnert mit.