Lappeenranta (dpa) - 800-Meter-Weltmeisterin Caster Semenya ist wieder da. Die Südafrikanerin gewann bei ihrem ersten Lauf nach elf Monaten Zwangspause und demütigenden Zweifeln an ihrem Geschlecht den Frauenlauf bei einem finnischen Provinz-Meeting in 2:04,22 Minuten.

«Ich bin damit bestens zufrieden», meinte die 19-Jährige im Kimpinen-Stadion von Lappeenranta bei fast afrikanischen Sommertemperaturen. Wegen ihres männlichen Looks waren nach dem WM-Sieg in Berlin im letzten August Zweifel aufgekommen, ob Semenya wirklich eine Frau ist.

«Es war hart, weil ich überhaupt nicht mehr an Wettbewerbe gewöhnt bin», meinte die Südafrikanerin nach ihrem betont vorsichtigen Comeback vor 4000 Zuschauern nach der langen Wartezeit. Der Leichtathletik-Weltverband IAAF hatte erst vergangene Woche «Grünes Licht» für Starts gegeben und dabei die «Fraulichkeit» der Mittelstrecklerin bestätigt. Alle Einzelheiten dazu blieben vertraulich. Ein Geheimnis blieb auch, warum die sofort nach der WM angesetzte Klärung des Geschlechts derart lange dauern musste.

Die beim Start im 250 Kilometer nordöstlich von Helsinki gelegenen Lappeenranta nervös wirkende Weltmeisterin wollte auch nach dem geglückten Start nicht über die schwere Zeit mit der langen Zwangspause sprechen. Nur soviel: «Es war hart, elf Monate auf die Resultate zu warten. Ich hab zu Gott gebetet, dass er mich wieder auf die Laufbahn bringt.»

Beim Lauf in der Heimat ihres finnischen Managers Jukka Häkonen hielt sie sich an die Vorgaben: «Der Trainer hat mir gesagt, ich soll es ruhig angehen lassen und so um 2:03 oder 2:04 laufen.» Gefreut habe sie sich über die freundliche Aufnahme durch das Publikum.

Beim WM-Sieg am 19. August 2009 im Berliner Olympiastadion hatte Semenya praktisch aus dem Nichts ihre durchweg viel kleineren und schmaleren Konkurrentinnen mit 1:55,45 Minuten hinter sich gelassen. Zu solchen Zeiten zurückbringen soll sie unter anderem ein zweiter finnischer Start am 18. Juli in Lapinlahti. «Je mehr ich laufe, umso besser werde ich wieder», glaubt sie.

Auch Trainer Michael Seme war zufrieden: «Dieses Comeback gibt uns ein Gefühl von wachsender Stärke. Auch die zwei Tage Training hier haben enorm geholfen.» Erstes größeres Ziel sollen dann nach Trainingseinheiten daheim in Südafrika im Oktober die Commonwealth-Spiele in Indiens Hauptstadt Neu Delhi sein. Für die bevorstehenden Afrika-Spiele wurde Semenya noch unmittelbar nach der Start- Genehmigung von ihrem Verband ausgemustert: Nicht fit genug.