London (dpa) - Sicher ist noch lange nichts - aber der Strom der schlechten Nachrichten für den britischen Ölkonzern BP könnte langsam abreißen. Der erste echte Erfolg im Kampf gegen die schwerste Ölpest der US-Geschichte machte am Freitag auch den Aktionären Hoffnung.

Erstmals seit dem Untergang der Bohrinsel Deepwater Horizon Ende April fließt kein Öl mehr ins Meer. Damit ist das angeschlagene Unternehmen einen wichtigen Schritt vorangekommen, was Anleger sogleich mit Käufen der schwer gebeutelten Aktie honorierten.

Das Papier stieg am Freitag im britischen Leitindex FTSE 100 gleich nach Börsenstart an die Spitze. Zeitweise legte es um etwas mehr als fünf Prozent zu. Bis zum frühen Nachmittag verzeichnete die Aktie noch ein Plus von 3,93 Prozent. Schon am Donnerstagabend, als BP den Erfolg bekanntgegeben hatte, war das Papier an der Wall Street um fast acht Prozent hochgesprungen.

Doch der derzeitige Optimismus könne den Investoren «noch schwer in die Magengrube schlagen», sagte Händler Andreas Lipkow von MWB Fairtrade. Drucktests stünden in den kommenden Tagen noch aus. «Nicht zu verachten sind außerdem die drohenden Schadenersatzforderungen in den USA.»

Einem Bericht der «Financial Times» zufolge rüstet sich BP allerdings finanziell und kommt bei dem geplanten Verkauf von Unternehmensteilen voran. Der Konzern und seine Berater seien dabei, die letzten Formalitäten zu regeln, schrieb die Zeitung unter Berufung auf Kreise. Voraussichtlich noch vor der Veröffentlichung der Quartalszahlen am 27. Juli sollten die ersten Verkäufe bekanntgegeben werden.

Der Konzern hofft, durch die Trennung von Beteiligungen 20 Milliarden Dollar (rund 15,5 Mrd Euro) erlösen zu können. Einer der Deals, der dem Zeitungsbericht zufolge kurz vor dem Abschluss steht, ist der Verkauf von Teilen des Amerika-Geschäfts an den Öl- und Gasförderer Apache für 12 Milliarden Dollar. Darüber hinaus dürfte BP versuchen, seine Anteile am Ölförderer Pan American Energy of Argentina sowie Beteiligungen an Öl- und Gasfeldern in Kolumbien, Venezuela und Vietnam zu versilbern.

Auf Druck der US-Regierung richtete BP Mitte Juni einen Treuhandfonds für Geschädigte der Ölpest im Golf von Mexiko ein, der bislang 20 Milliarden Dollar umfasst. Gut 3,5 Milliarden Dollar hat der Konzern bereits für die Bekämpfung des Öls ausgegeben.