Washington (dpa) - Das Unglück ereignete sich ausgerechnet am «Earth Day», dem Gedenktag gegen die Umweltzerstörung. Zwei Tage lang hatte im Golf von Mexiko eine Öl-Bohrinsel wie eine riesige Fackel gebrannt.

Dann versank die Plattform «Deepwater Horizon» in den Fluten. Mit ihrem Untergang begann nach den Worten von US-Präsident Barack Obama die «schlimmste Umweltkatastrophe, der sich Amerika je stellen musste».

Selbst drei Monate danach ist unklar, was genau an jenem 20. April geschah. Wie es zu den verheerenden Explosionen auf der Plattform kommen konnte, auf der über 120 Männer gearbeitet hatten. Nach Zeugenaussagen drängte sie der Mieter der Anlage, der britische Öl- Konzern BP, die Bohrarbeiten hastig abzuschließen. Sie übersahen ein Leck im Bohrloch, Gas strömte aus und entzündete sich.

Schnell war deutlich: Hier nimmt eine schwere Ölpest ihren Lauf. Als die Plattform sank, riss in 1500 Meter Meerestiefe ein Steigrohr auf. Nach Schätzung der US-Regierung schossen seitdem jeden Tag bis zu 8200 Tonnen Rohöl aus der BP-Quelle ins Wasser. Genaue Zahlen kennt niemand, doch bewahrheiten sich schlimmste Befürchtungen, sind bereits rund 700 000 Tonnen der rostbraunen, schmierigen Masse in einer gewaltigen Fontäne aus dem Meeresboden geschossen - nur ungefähr 100 000 davon konnte BP abfangen und auf Schiffe leiten.

Wohl erst im August kann das Loch mit Entlastungsbohrungen endgültig gestopft werden, sie gehen bis zum Ursprung der Quelle - 4000 Meter unter dem Meeresboden. Auch wenn es jetzt scheint, als ließe sich das Öl mit einem Deckel eindämmen: Die Ölpest dürfte als weltweit schlimmste bislang in die Geschichte eingehen. Beim bislang größten Bohrinsel-Unfall der «Ixtoc» 1979 vor Lateinamerika gelangte etwa eine halbe Million Tonnen - ebenfalls - in den Golf von Mexiko.

Zum Vergleich: Nach der Havarie des Tankers «Exxon Valdez» vor der Küste Alaskas 1989 reichten 40 000 Tonnen, um das Ökosystem für Jahre zu schädigen. Bis heute hat sich die Region nur oberflächlich erholt.

Die Parallelen beider Tragödien seien erschreckend, sagt Walt Parker. Als Leiter der Regierungs-Kommission zur Aufklärung der Geschehnisse in Alaska hatte er Dutzende Vorschläge entwickelt, wie solch ein Öl-Drama künftig zu vermeiden ist - und was nie wieder passieren dürfe: