Paris (dpa) - Der französische Trainingsboykott bei der Fußball-WM in Südafrika wird nun offiziell untersucht. Das gab der scheidende Präsident des FFF-Verbandes, Jean-Pierre Escalettes, in Paris bekannt.

Die Ermittler würden unter anderem Spieler, Funktionäre und Mitglieder des Trainerstabs befragen dürfen, teilte Escalettes auf der FFF-Homepage mit. Man wolle alle «Fakten und Verantwortlichkeiten feststellen».

Die eigens einberufene Untersuchungs-Kommission werde ihre Ergebnisse dem FFF schon bis zum 15. August präsentieren, hieß es. Die dreiköpfige Gruppe wird den Angaben zufolge von Staatsanwalt Laurent Davenas, dem früheren Chef der Disziplinarkommission der Profiliga, Jacques Riolacci, sowie vom Präsidenten der französischen Fußball-Stiftung, Fernand Duchaussoy, gebildet.

Mit dem Trainingsstreik hatten die Profis um Bayern-Star Franck Ribéry und Rekordtorjäger Thierry Henry am 20. Juni im südafrikanischen WM-Quartier in Knysna gegen den Ausschluss von Nicolas Anelka protestiert. Der Chelsea-Stürmer war vorzeitig nach Hause geschickt worden, nachdem er Trainer Raymond Domenech in der Halbzeit des Vorrundenspiels gegen Mexiko (0:2) in der Kabine vor der gesamten Mannschaft wüst beschimpft hatte.

Der Weltmeister von 1998 war in Südafrika nach der Vorrunde sieglos ausgeschieden. Aber die «Bleus» blamierten sich nicht nur auf dem Rasen. Vor allem die Skandale abseits des Platzes mit der Trainer-Beschimpfung, dem Ausschluss Anelkas, dem Trainingsstreik und einer Cliquenbildung sorgten für Empörung. Escalettes trat deshalb von seinem Posten zurück. Sein Nachfolger soll am kommenden Freitag bei einer Sondertagung des FFF-Bundesrats gewählt werden.