Mende (dpa) - Mit gefletschten Zähnen stürmte Alberto Contador auf das Hochplateau zum Flughafen von Mende - erst im Ziel wich seine grimmige Miene einem entspannten Siegerlächeln.

Mit einer Kletter- Show der Extraklasse kaufte der spanische Vorjahressieger seinem Herausforderer Andy Schleck erstmals in den Bergen den Schneid ab und unterstrich, dass er noch immer der Topfavorit auf den Gesamtsieg der 97. Tour de France ist. «Es war Zeit für mich, die Initiative zu ergreifen. Gut, dass ich Schleck ein paar Sekunden abnehmen konnte. Meine Form wird immer besser», sagte Contador.

Gemeinsam mit Tagessieger Joaquin Rodriguez erreichte der Astana-Kapitän das Ziel bei drückender Schwüle, 30 Minuten bevor ein heftiger Gewitterschauer den Flughafen unter Wasser setzte. Contador hatte auf der brutalen Schlusssteigung 2200 Meter vor dem Ziel angetreten, Schleck stehen lassen und sich die zehn Sekunden zurückgeholt, die er in den Alpen verloren hatte.

Betreten räumte der Luxemburger Schleck seine Niederlage ein: «Ich habe heute sehr gelitten und mich den ganzen Tag nicht wohlgefühlt. Diesen steilen Anstieg mag ich überhaupt nicht», sagte der 25-Jährige kleinlaut. «Contador hat sehr intelligent attackiert. Erst wollte ich sofort folgen, blieb dann aber lieber bei meinem Rhythmus.» Trotz des ersten Dämpfers in den Bergen behauptete der Saxo-Bank-Radprofi die Spitze nach der 12. Etappe mit jetzt 31 Sekunden Vorsprung auf Contador. Dessen einstiger Erzrivale Lance Armstrong zählte ein weiteres Mal zu den Geschlagenen und büßte 3:35 Minuten auf das Spitzenduo ein.

Für Contador bleibt der Flughafen von Mende hingegen ein gutes Pflaster: Schon am 11. März bei der Fernfahrt Paris-Nizza hatte er hier triumphiert, sich das Gelbe Trikot geschnappt und den Grundstein für den Gesamtsieg gelegt. «Contador war heute der Stärkste. Schade, dass Andy zehn Sekunden verloren hat», sagte Schlecks Teamchef Bjarne Riis.

Der große Verlierer des Tages war neben Schleck der Kasache Alexander Winokurow, der bis 1800 Meter vor dem Ziel von einem glänzenden Tour-Comeback nach seiner Doping-Verbannung 2007 träumen durfte. Dann passierte ihn sein Kapitän Contador mit Rodriguez im Schlepptau. «Ich wollte heute die Etappe gewinnen. Natürlich war ich zum Schluss etwas traurig, aber das Gesamtklassement mit Alberto geht natürlich vor», sagte Winokurow.

Der 36-Jährige hatte erfolgreich eine 18-köpfige Ausreißergruppe mit Lance Armstrongs Helfer Andreas Klöden initiiert. Kurz vor dem Gipfel verlor er dann aber den Etappensieg aus den Augen und musste sich im Ziel mit den Blumen für den angriffslustigsten Fahrer trösten. Für seinen alten Kumpel Klöden reicht es nur zu Platz sieben. Lange sah es nach einem Doppelsieg der beiden früheren T-Mobile-Fahrer aus. Aber dem 35-jährigen Klöden ging 3,5 Kilometer vor dem Ziel die Luft aus - und am Ende auch seinem Partner.