Worms (dpa) - Intendant und Regisseur Dieter Wedel wirbt sicherheitshalber schon vor Beginn der Aufführung um Verständnis. «Seien Sie nachsichtig», appelliert er vor dem Start der Wormser Nibelungen-Festspiele an die Zuschauer. «Es fehlen vier Wochen Proben.»

Und es fehlt vor allem Geld, deshalb wagt Wedel ein Experiment. Es gibt diesmal kein Theaterstück mit durchgängiger Handlung, sondern eine Collage von Szenen aus dem Leben des Stauferkaisers Friedrich II., unterlegt mit Texten von beispielsweise Friedrich Schiller und William Shakespeare. Das Experiment gelingt weitgehend, das Publikum geizt zum Auftakt der Sparversion der Festspiele am Freitagabend nicht mit Applaus.

Peter Striebeck spielt zunächst Peter Striebeck. Als Dirk Bach als Dirk Bach die Szenerie betritt, fragt Striebeck: «Das soll doch aber schon ein ernsthafter Theaterabend werden, oder?» Warum man eigentlich bei den Nibelungen-Festspielen etwas über die Staufer spiele, fragt ein anderes Ensemblemitglied. Weil jemand 2010 zum Stauferjahr erklärt habe, und nun gebe es für Alles zum Thema Staufer eben Subventionen, so die Antwort.

Die Inszenierung kokettiert mit der Tatsache, dass der Etat der Festspiele vom Stadtrat im Vergleich zum Vorjahr stark eingedampft wurde. Die Stadt muss sparen, alles muss deshalb im neunten Jahr der Festspiele etwas kleiner ausfallen am Wormser Dom. Aber, so Wedel in seiner Ansprache: «Wir wollten zeigen, dass die Festspiele noch atmen.»

Gerade einmal zwei Wochen dauerten die Proben des hochkarätigen Ensembles um Striebeck, Bach, Heinz Hoenig, Meret Becker und Co. Und die Aufführung gibt vor, es handele sich hier immer noch um Proben. Die Schauspieler trudeln ein und machen sich schon mal ihre Gedanken über das Stück, weil ER das schätzt. ER taucht immer wieder als allmächtige und einschüchternde Figur auf. In diesem Fall ist ER mal nicht Gott, sondern Wedel, auf den das Ensemble mit Bangen wartet.

Die Schauspieler schlüpfen in wechselnde Rollen und entwickeln Szenen, die die widersprüchliche Persönlichkeit des Stauferkaisers Friedrich II. (1194-1250) beleuchten: Förderer der Wissenschaften und Initiator brutaler Menschenexperimente. Kreuzzügler und Schüler von Muslimen. Freund und Feind des Papstes Gregor IX. Es entstehen einige eindringliche Szenen, die einem diese komplexe Persönlichkeit tatsächlich näher bringen.

Manchmal driftet das Ganze aber auch ins Alberne ab. Anouschka Renzi betont ständig, sie könne ja nicht improvisieren und lässt mal wieder ihren Busen blitzen. Alexandra Kamp bietet dem Intendanten an, ihn mal im Hotel zu besuchen, um dadurch bessere Chancen auf eine Rolle zu bekommen. Mit Wedels Ruf als harter Regisseur wird bis zum Schluss kokettiert. Als ER endlich da ist, schaut er sich die Bemühungen der Schauspieler erst einmal eine Weile an - und sortiert dann knallhart aus. Die einen lädt er zu den Proben ein, die anderen schickt er heim.