Bayreuth (dpa) - Vom 25. Juli an steht die Stadt Bayreuth wieder ganz im Zeichen von Richard Wagner. Dann werden die 99. Richard-Wagner-Festspiele mit einer Neuinszenierung des «Lohengrin» von Hans Neuenfels eröffnet. Unter der musikalischen Leitung des jungen Letten Andris Nelsons singt Jonas Kaufmann die Titelrolle.

Als Elsa gibt auch Annette Dasch ihr Debüt am Grünen Hügel. In den weiteren Rollen sind Georg Zeppenfeld als Heinrich der Vogler, Lucio Gallo als Friedrich von Telramund, Evelyn Herlitzius als Ortrud und Samuel Youn als Heerrufer zu sehen und hören.

Die Premiere wird wieder zu einem Schaulaufen prominenter Ehrengäste aus Politik, Wirtschaft und Show-Geschäft. Neben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) werden Vizekanzler Guido Westerwelle (FDP), Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und vier weitere Mitglieder ihres Kabinetts erwartet. Auf der Gästeliste der Stadt stehen unter anderem auch die Schauspieler Michaela May und Edgar Selge. Eingeladen war auch der neue Bundespräsident Christian Wulff. «Er musste aber leider absagen», bedauert die Stadt Bayreuth.

Neuenfels, der einstige «junge Wilde» des deutschen Regietheaters, hat sich für sein Bayreuth-Debüt ausgerechnet Richard Wagners romantische Oper «Lohengrin» ausgesucht. Dem 69-Jährigen geht es bei «Lohengrin» nicht nur um die romantischen Töne. Auch wenn er sich selbst nie auf der Bühne als «Revoluzzer» gesehen hat, interessiert ihn an der Oper über den märchenhaften Ritter in erster Linie das «Gesellschaftsutopische» (die Oper entstand im Umfeld der gescheiterten 1848er Revolution, mit der Wagner sympathisierte), aber auch der «Geschlechterkampf». Reformen fordert Neuenfels in einem dpa-Gespräch auch von den Festspielen selbst.

Bei den ersten Festspielen nach dem Tod des langjährigen Festspielleiters Wolfgang Wagner im März steht zum letzten Mal «Der Ring des Nibelungen» in der Inszenierung von Tankred Dorst von 2006 auf dem Programm; Dirigent ist Christian Thielemann. Bis zum 28. August werden außerdem Stefan Herheims «Parsifal» mit Daniele Gatti am Dirigentenpult sowie die «Meistersinger»-Inszenierung von Festspielchefin Katharina Wagner gespielt. Die 30 Vorstellungen sind wie gewohnt seit Monaten ausverkauft. Die Nachfrage nach Karten überstieg das Angebot trotz zum Teil deutlicher Preiserhöhungen wieder um ein Vielfaches.

Der Spielplan bis zum Jahr 2015 wurde noch zu Lebzeiten Wolfgang Wagners festgezurrt. So wird im kommenden Jahr Sebastian Baumgarten den «Tannhäuser» neu auf die Bühne des Festspielhauses bringen. Dirigent ist Thomas Hengelbrock. 2012 folgt eine Neuinszenierung der Oper «Der fliegende Holländer» mit Sebastian Nübling als Regisseur und Christian Thielemann als Dirigent. Noch immer unbeantwortet lassen die Chefinnen Katharina Wagner und Halbschwester Eva Wagner- Pasquier die Frage nach dem Produktionsteam für die Neudeutung der Tetralogie «Der Ring des Nibelungen», die 2013 zum 200. Geburtstag Richard Wagners herauskommen soll.

Wenige Stunden vor der offiziellen Eröffnung der Festspiele hat am 25. Juli eine eigens für Kinder produzierte Fassung des «Tannhäuser» Premiere. Katharina Wagner hatte das Projekt «Wagner für Kinder» im vergangenen Jahr mit einer vielbeachteten Kurzfassung der Oper «Der fliegende Holländer» gestartet. Sie sieht darin die Chance, junge Opernbesucher nicht nur mit dem Werk, sondern gleich auch mit einem möglichen Interpretationsansatz vertraut zu machen.