Monte Carlo (dpa) - Auch beim Feuerwerk der Spitzenleistungen zündete Hochspringer Raul Spank nicht mehr. «Ich wollte ohne Wut springen», sagte der 22-jährige Dresdner, der beim Diamond-League-Meeting in Monte Carlo mit 2,25 Metern seine persönliche Saisonbestleistung lediglich bestätigen konnte.

«Jetzt können die Leute vom DLV sagen, dass sie Recht hatten», meinte Spank. Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hatte ihn nicht für die Europameisterschaften in Barcelona (27. Juli bis 1. August) nominiert, weil er die EM-Norm von 2,28 Meter nicht erfüllt hatte.

Im Spielerparadies an der Cote d'Azur fehlte Spank im ersten Versuch über 2,28 Meter das Glück: Erst in der Endphase des Fluges touchierte er mit dem Unterschenkel die Latte. «Wenn der Sprung drüber gewesen wäre, hätte ich auch noch 2,31 Meter geschafft», tönte der Sachse. Nach der EM-Ausbootung durch den DLV hatte er gewettert, keinen Bonus als Medaillengewinner der WM zu erhalten. «Ich hatte darauf gebaut, dass trotz bürokratischer Norm Barrieren überwunden werden können.» Für ihn als 22-Jährigen sei die Nichtberücksichtigung für die EM ein «Diebstahl von Motivation» gewesen.

Inzwischen ist der Ärger etwas verraucht. «Ich hege keinen Groll mehr», sagte der lange verletzte Spank, der noch einen Wettkampf in Eberstadt machen und sich danach schon auf die WM-Saison 2011 konzentrieren möchte. «In Daegu will ich eine Stufe höher kommen», kündigte er ungeachtet einer starken russischen «Flug-Staffel» den Angriff auf WM-Silber an. Überflieger in Monaco war Iwan Uchow, der mit 2,34 Meter eine von sieben Jahresweltbestleistungen aufstellte.

Beim Herculis-Meeting sorgten aber vor allem der 20 Jahre alte kenianische Lauf-«Nobody» Silas Kiplagat und US-Supersprinter Tyson Gay für die Riesenleistungen. Kiplagat siegte in 3:29,27 Minuten über 1500 Meter - eine Zeit, die seit vier Jahren nicht mehr gelaufen wurde. «Ich wusste, dass ich schnell sein kann. Das Rennen war perfekt», meinte Kiplagat, der seine Bestleistung um fast fünf Sekunden steigerte.

Immer besser in Fahrt kommt Tyson Gay. Der 27-Jährige gewann die 200 Meter in 19,72 Sekunden und liegt nun hinter Usain Bolt (Jamaika/19,56) auf Platz zwei der aktuellen Weltbestenliste. «Die Probleme, die ich am Saisonanfang hatte, liegen nun hinter mir. Jetzt bin ich aber sehr müde», meinte Gay, der nach dem flotten Sprint völlig erschöpft auf einem Stuhl zusammensackte. Nach einer Muskelverletzung war es erst sein zweites Saisonrennen gewesen.

Dem Erwartungsdruck, Weltrekord zu laufen, konnte sein Landsmann David Oliver nicht standhalten. Im «Stade Louis II» gewann er sein 13. Rennen über 110 Meter Hürden in 13,01 Sekunden. «Ich bin ziemlich unter Druck gerannt. Immer wenn ich laufe, erwarten die Leute, dass ich einen Weltrekord aufstelle», klagte Oliver, der vor dem Start mit einem «Just do it»-Shirt herumlief. Zuletzt war er in Paris 12,89 Sekunden schnell - nur 2/100 Sekunden über dem Weltrekord von Dayron Robles (Kuba).