Hockenheim (dpa) - Sie schrauben als Jux-PR eigenhändig ihren Rennwagen zusammen und wetteifern zur Gaudi für einen TV-Sender sogar beim Aufbau von Campingzelten. Abseits der Strecke sind Lewis Hamilton und Jenson Button für fast jeden Spaß zu haben, im Titelrennen aber machen sie ernst.

«Ich habe ein gutes Gefühl, was wir jetzt schon erreicht haben. Wir sind sehr glücklich über unsere Position», sagt Hamilton. Der Brite startet als WM-Spitzenreiter in den Großen Preis von Deutschland, sein McLaren-Teamkollege Button ist sein erster Verfolger.

Doch anders als beim schärfsten Titelrivalen Red Bull, den vor dem Hockenheim-Gastspiel das Reizklima zwischen Sebastian Vettel und dem Australier Mark Webber belastete, verstehen sich Hamilton und Button anscheinend blendend. «Auch wenn die Leute das nicht glauben wollen, Lewis und ich kommen super miteinander aus. Die Jungs in der Fabrik müssen sich keine Sorgen um uns machen und können sich auf die Entwicklung des Autos konzentrieren», sagt Titelverteidiger Button.

Nach dem überraschenden Wechsel des Champions zu McLaren galt für viele Beobachter der Streit zwischen Button und seinem Titel-Vorgänger vorprogrammiert. Hamilton schien im britischen Traditionsteam als Platzhirsch die Hausmacht hinter sich zu haben und würde Button wie einst Fernando Alonso das Leben auf und neben der Rennpiste zur Hölle machen, lautet die gängige Ansicht im Fahrerlager. Weit gefehlt. «Bei uns ist es sehr harmonisch. Wir reden offen und ehrlich miteinander», beteuert Hamilton.

Die Ausbeute in dieser Saison spricht für sich. Je zwei Rennen haben beide gewonnen, in der Türkei und Kanada fuhr das McLaren-Duo sogar Doppelerfolge ein. «Wir haben einen tollen Job gemacht, obwohl wir nicht das schnellste Auto haben», befand Button zufrieden.

Vergnügt können sich die beiden Insel-Piloten auch das Feixen über die Unruhe bei Red Bull nicht verkneifen. «Das macht uns als Team umso mehr stolz, weil wir sehen, was für eine solide Arbeit wir machen - und wie intakt die Harmonie bei uns ist», erklärt Hamilton. Zwar beschädigte er bei einem Unfall bei der ersten Trainingsfahrt am Freitag sein Auto so schwer, dass er die zweite Übungseinheit am Nachmittag fast komplett auslassen musste. Dennoch startet Hamilton als Mitfavorit in Hockenheim, wo er 2008 schon einmal siegte.

Auf einen Dauerkrach beim Konkurrenten Red Bull wollen sich die WM-Führenden bei ihrer Titeljagd aber nicht länger verlassen. «Wir werden nicht der Täuschung unterliegen, dass wir den MP4-25 nicht weiterentwickeln brauchen, um im Titelkampf an der Spitze zu bleiben», sagt Teamchef Martin Whitmarsh. Schon jüngst in Silverstone hatte der Rennstall eilig Updates ans Auto montiert, obwohl diese noch nicht völlig ausgereift waren. Für Hockenheim wurden die Tests im Simulator noch einmal intensiviert.