Hockenheim (dpa) - Rekordchampion Michael Schumacher hat seinen Angriff auf den achten Formel-1-Titel schon auf 2011 verschoben, doch sein Mercedes-Team will auch in der Debütsaison noch etwas erreichen.

«Das alte Auto abzumelden, das wird es nicht geben», versprach Motorsportchef Norbert Haug vor dem Heimspiel in Hockenheim. Zumindest Schumachers Teamkollege Nico Rosberg glaubt vor dem Großen Preis von Deutschland noch fest an eine Außenseiter-Chance im WM-Rennen. «Michael hat das Thema von sich aus abgehakt, ich allerdings habe noch nicht aufgegeben und werde weiterkämpfen», sagte der Wiesbadener der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung».

«Wir sind nur happy, wenn wir alle in Grund und Boden fahren. Wir haben so viele kompetente Leute bei Mercedes, das wird zum Erfolg führen», erklärte Rosberg. Der WM-Sechste hat vor dem elften von 19 Saisonrennen am 25. Juli 55 Punkte Rückstand auf McLaren-Pilot Lewis Hamilton, der die Gesamtwertung mit 145 Zählern anführt. «Der Abstand ist noch nicht zu groß», versicherte Rosberg. Auch sein Chef Haug denkt trotz einer wechselhaften ersten Saisonhälfte nicht an Aufgabe, «so lange rechnerisch die Chance gegeben ist».

Altmeister Schumacher hingegen wird den Rest seines Comeback- Jahres wohl eher dafür nutzen wollen, die Form vergangener Tage wiederzuentdecken und so die Basis für die kommende Saison zu legen. «Es wäre falsch zu sagen, dass ich vollauf zufrieden mit meiner Leistung bin», bekannte der 41-Jährige in Hockenheim. «Aber ich war drei Jahre weg, und zu erwarten, dass ich einfach zurückkomme und da weitermache, wo ich aufgehört habe - mit einem Auto, dass das eher nicht zulässt - ist wahrscheinlich unrealistisch», erklärte der 91-malige Grand-Prix-Sieger.

Bei seiner ersten Trainingsfahrt landete er im Regen mit 6,749 Sekunden auf dem vorletzten Platz. Auch am Nachmittag kam er als Sechster wieder nicht an Rosberg vorbei. An seiner Vorgabe für seine Comeback-Tour hält der Kerpener aber unbeeindruckt von vielen Niederlagen fest. «Ein weiterer Titel, das ist unser Ziel, darauf liegt mein Fokus, und deshalb bin ich hier», sagte Schumacher.

Boss Haug bat bei der Weltverbands-Pk: «Gebt uns Zeit. Wir sind noch nicht ganz am Ziel, aber wir werden Schritt für Schritt aufholen. Und Michael wird dabei eine große Rolle spielen.»

Für Mercedes wird die zweite Saisonhälfte zum schwierigen Spagat. Zum einen gilt es, für die verbliebene WM-Hoffnung Rosberg zu arbeiten und zugleich wichtige Punkte in der Teamwertung zu sammeln, die am Ende über die Verteilung der Vermarktungs-Millionen entscheidet. Zum anderen aber hat längst die Arbeit am Boliden für das kommende Jahr begonnen, mit dem das neue Werksteam des schwäbischen Autobauers endlich wieder vorneweg fahren will. «Man muss das eine tun, und darf das andere nicht lassen», meinte Haug.