Berlin (dpa) - Der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus hat dramatische Ausrüstungsmängel bei der Bundeswehr in Afghanistan beklagt. Unter anderem kritisierte er unzureichend geschützte Einsatzfahrzeuge, fehlende Munition und sogar Defizite bei Verpflegung und Unterbringung.

«Das alles ist einfach ein Drama, und das demotiviert die Leute natürlich schon sehr», sagte er der «Sächsischen Zeitung».

Das Verteidigungsministerium zeigte sich von der Schärfe der Kritik irritiert. Die Ausstattung der Truppe im Einsatz werde ständig verbessert, sagte der stellvertretende Ministeriumssprecher Christian Dienst. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) habe eigens dafür eine Arbeitsgruppe im Ministerium eingesetzt, in der «Dutzende von Maßnahmen» angegangen würden.

Dienst räumte allerdings ein, dass «die Ausrüstung in der Perfektion immer leicht hinterherhinkt». Der Mangel müsse immer erst im Einsatz erkannt werden, bevor man optimieren könne. «Wir können nicht durch einen Blick in die Glaskugel sehen, welche optimale Ausrüstung wir in zwei Jahren brauchen.»

Königshaus hatte schon mehrfach auch in scharfer Form Ausbildungsmängel beklagt. Noch vor seinem Amtsantritt Mitte Mai forderte er den Einsatz von schweren «Leopard»-Kampfpanzern im afghanischen Kundus. Dafür handelte er sich heftige Kritik über die Parteigrenzen hinweg und von Spitzenmilitärs ein.

Ende Juni hatte Königshaus seinen ersten Zwischenbericht vorgelegt. Darin beklagte er unter anderem gravierende Mängel bei den in Afghanistan eingesetzten Fahrzeugen, bei der Ausbildung und bei der persönlichen Ausrüstung der Soldaten. Jetzt legte der Wehrbeauftragte noch einmal nach. Unter anderem bemängelte er, dass es keine Fahrzeuge gibt, aus denen heraus man versteckte Sprengsätze finden und beseitigen kann.

Zudem kritisierte er schwerfällige Verfahren bei der Zulassung von Einsatzgeräten. «Wir müssen abwägen zwischen der Alltagsgefahr, für die unsere deutschen Normen gedacht sind, und den im Einsatz existierenden Gefahren durch Beschuss oder Sprengladungen», sagte der FDP-Politiker. «Deshalb muss es eine Regel geben, die lautet: Wenn die Schutzwirkung im Einsatz höher ist als das Verletzungsrisiko im Alltagsbetrieb, dann muss die Schutzwirkung Vorrang haben.»