Wien/Salzburg (dpa) - Wenn «Jedermann» stirbt, geht es los: Wie bereits bei ihrer Gründung starten am Sonntag die 90. Salzburger Festspiele mit dem Hofmannsthalschen Mysterienspiel auf dem Domplatz. Offiziell wird das Festival erst am Montag mit einem Festakt eröffnet.

Dirigent Daniel Barenboim wird dann die Festrede halten. Insgesamt stehen bei dem bis 30. August dauernden Festival sieben verschiedene Opern, mehr als zehn Theaterstücke und zahlreiche Konzerte auf dem Programm.

Das überarbeitete «Jedermann»-Spektakel unter freiem Himmel droht in diesem Jahr von schlechtem Wetter überschattet zu werden: Regenschauer sind angekündigt. Auf jeden Fall frischen Wind soll die neue Spitzenbesetzung aus Nicholas Ofczarek (39) als Jedermann und Birgit Minichmayr (33) als seine Buhlschaft bringen. Alle Vorstellungen sind bereits ausverkauft.

Beide gelten in Österreich als junges Theater-Traumpaar und standen bereits in mehreren Inszenierungen gemeinsam auf der Bühne. «Zusammen sind sie ein Ereignis», lobte der ORF im Vorfeld. Mit Minichmayr als Buhlschaft zu spielen, sei für ihn eine Bedingung gewesen, sagte Ofczarek. Aber die Organisatoren hätten sie glücklicherweise schon engagiert gehabt. Man werde sich «gegenseitig erden», sagte Minichmayr.

Den reichen Lebemann mit später Reue will Ofczarek - als jüngster Jedermann aller Zeiten - eher als Partytyp anlegen. Er habe für ihn nicht die größte Angst vor dem Tod, sondern vor der der Bilanzierung des eigenen Lebens, sagte er: «Das zeigt, dass dieser Mann nicht unintelligent ist.» Minichmayr wird die Frauenrolle mit wenigen Sätzen im orange-roten Korsagenkleid weitab althergebrachter Moral- und Romantikvorstellungen spielen. Sie habe durchaus Verständnis, dass die Buhlschaft nicht mit Jedermann sterben will, sagte sie in einem Interview: «Es ist typisch Mann, zu sagen, "du gehst nicht mit in den Tod, also bist Du eine Hure". Der Mensch kommt und geht alleine. So etwas wie einen gemeinsamen Tod gibt es gar nicht.»

Ofczarek ist seit der Gründung der Festspiele 1920 der 15. Jedermann in der Renommierrolle. Sein Vorgänger Peter Simonischek war mit insgesamt 91 Aufführungen Rekordhalter. Minichmayr gibt die 30. Buhlschaft und tritt dabei in die Fußstapfen berühmter Kolleginnen wie Senta Berger, Nina Hoss oder Veronica Ferres.

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