Rio de Janeiro (dpa) - Rückschlag für Fußball-Rekordweltmeister Brasilien bei der Suche nach der neuen Trainer-Hoffnung: Der zum Wunschkandidat erkorene Muricy Ramalho darf nicht zur «Seleção».

Ramalhos aktueller Arbeitgeber, Liga-Spitzenreiter Fluminense Rio de Janeiro, teilte in Rio überraschend mit, man werde den Coach nicht aus dem bis 2012 laufenden Vertrag entlassen. «Er bleibt unser Trainer», erklärte Clubpräsident Roberto Horcades auf einer Pressekonferenz.

Erst wenige Stunden zuvor hatte der brasilianische Verband CBF Ramalho das Amt des Nationaltrainers angeboten. Beide Seiten waren sich auch finanziell einig geworden. Der 54 Jahre alte Ramalho sollte Carlos Dunga beerben. Der frühere Stuttgarter war nach dem enttäuschenden WM-Viertelfinal-Aus durch das 1:2 gegen die Niederlande nach vierjähriger Amtszeit von CBF-Präsident Ricardo Teixeira entlassen worden. Ramalho war der Wunschkandidat von Teixeira. Er sollte das Team auf die Heim-WM 2014 vorbereiten und dort den sechsten WM-Titel gewinnen.

Teixeira war nach einem Treffen mit Ramalho noch zuversichtlich, dass Fluminense dem Coach keine Steine in den Weg legen würde. «Er (Ramalho) kennt unser Projekt, er ist damit einverstanden, will Nationaltrainer werden», hatte der Verbandsboss im brasilianischen Fernsehen gesagt. Ramalho habe viele Erfolge vorzuweisen und könne zum Gewinn des WM-Titels 2014 beitragen. Die Nationalelf müsse «schrittweise erneuert» werden. Sogar Staatspräsident Luiz Inácio Lula de Silva hatte die Wahl Ramalhos gelobt und als «gute Entscheidung» bezeichnet.

Aber Fluminense-Chef Horcades durchkreuzte alle Pläne und Hoffnungen. Verträge müssten respektiert werden, sagte er. Ramalho sei mit dieser Entscheidung voll einverstanden. «Er ist ein toller Mensch, der zu seinem Wort steht», fügte er an. Fluminense, der Verein der reicheren Bevölkerungsschicht Rios, hat die Landesmeisterschaft seit 26 Jahren nicht mehr gewonnen. Zwischenzeitlich musste man sogar in die dritte Liga absteigen. Ramalho führte die Rot-Grün-Weißen in der laufenden Saison an die Tabellenspitze.

Der Coach ließ unterdessen mitteilen, er werde erst nach dem Stadt-Derby am 25. Juli gegen Botafogo eine Stellungnahme abgeben. Der CBF-Verband wollte sich ebenfalls noch nicht äußern. Ramalho hatte zuvor noch klar gemacht, dass er den ihm angebotenen Job gern annehmen würde. «Wer würde nicht gern brasilianischer Nationaltrainer werden», wurde er auf der Webseite von «ESPN Brasilien» zitiert.

Ramalho war unter anderem viermal in Serie (2005 bis 2008) zum besten Coach der brasilianischen Meisterschaft gewählt worden. Mit dem FC Sao Paulo gewann er die Landesmeisterschaften 2006, 2007 und 2008. Wie Dunga gilt er als Coach der harten Linie, der den Erfolg über alles stellt und dem «Jogo Bonito», dem in Brasilien so beliebten schönen Spiel, eine Absage erteilt. «Wichtig sind Siege, wer eine Show sehen will, der soll ins Theater gehen», sagte er mehrfach.