Frankfurt/Main (dpa) - Der Stress ist vorbei, die deutschen Banken atmen auf. Außer der ohnehin schon am Staatstropf hängenden Hypo Real Estate (HRE) haben alle 13 Institute die Untersuchung der europäischen Aufsichtsbehörde CEBS überstanden.

Doch hartnäckig halten sich Zweifel an der Aussagekraft der Resultate. Und ob die neue Offenheit die durch Finanz- und Schuldenkrise nachhaltig verunsicherten Märkte wirklich beruhigen wird, wagte am Freitag selbst mancher Aufseher nicht vorherzusagen.

«Ich weiß nicht wie Märkte reagieren, dass weiß ich seit den letzten Jahren nicht mehr», räumte der Chef der Finanzaufsicht BaFin, Jochen Sanio, freimütig ein. Zugleich stellte er klar: «Diese Operation ist eine Operation zur Beruhigung der Märkte.» Für die Lage in Deutschland brächten die Ergebnisse keinen Erkenntnisgewinn.

«Das Thema wird viel zu hoch aufgehängt», meint der Bankenprofessor Thomas Hartmann-Wendels. «Es kann nur herauskommen, dass die Banken bestehen, sonst wäre wieder ein Milliarden- Rettungspaket notwendig.» Denn über eines sind sich Beobachter einig: Fällt eine Bank durch, muss über eine Kapitalerhöhung nachgedacht werden - «sonst könnte es zu Problemen in der Refinanzierung kommen», warnt M.M.Warburg-Analyst Andreas Pläsier.

Grundsätzlich seien Stresstests sinnvoll, betont Hartmann-Wendels. Aber die Banken testeten ihre Belastbarkeit ohnehin schon in eigenen Untersuchungen. Die Kriterien der einheitlichen europäischen Stresstests seien hingegen «so lange weichgespült worden, dass sie nur noch wenig aussagen». Analyst Konrad Becker von der Privatbank Merck Finck ist ähnlicher Meinung: Er bezeichnet den aktuellen Stresstest als «politischen Kompromiss in der Eurozone». Aufseher wehrten sich fast gebetsmühlenartig gegen solche Vorwürfe, so auch Sanio: «Dieser Stresstest ist hart, es ist ein harter Stresstest.»

Zweifel gibt es dennoch auch an der Vergleichbarkeit der Kernkapitalquoten: In Deutschland kam im Härtetest mit der NORD/LB ausgerechnet eine der Landesbanken nur knapp über die maßgebliche 6- Prozent-Marke, die die Finanzkrise aus eigener Kraft und mit wenig Aufsehen überstand. «Das ist eigentlich nicht zu verstehen, warum so eine Bank jetzt zu den Losern zählen soll», urteilt der Bankenprofessor Hans-Peter Burghof. «Für risikoarmes Landesbankengeschäft braucht man auch weniger Eigenkapital.»

Ob sich die Banken europaweit anhand der Daten von 91 Häusern nun besser vergleichen lassen, wird ebenfalls infrage gestellt. «Wir haben unterschiedliche Bankengesetze, die das Kernkapital in den einzelnen Ländern unterschiedlich definieren», sagt Udo Steffens, Präsident der Frankfurt School of Finance & Management. «Es ist Aufgabe der CEBS ­ dem Embryo der europäischen Bankenaufsicht und Regulierung ­ hier klare Kriterien zu formulieren» - kein Leichtes in einem umkämpften Bankenmarkt mit bisweilen gegensätzlichen nationalen Interessen.