Madrid (dpa) - Wirtschaftlich ist Spanien im Keller - doch sportlich kommt das Land des Fußballweltmeisters aus dem Feiern gar nicht mehr heraus: Für den jüngsten großen Triumph hat Alberto Contador gesorgt, der zum dritten Mal die Tour de France gewann.

Es war bereits der fünfte spanische Sieg hintereinander. Im Sport erlebt Spanien somit den erfolgreichsten Juli seiner Geschichte. Die Sportzeitung «As» krönte «Albertour» als «Alberto III. von Frankreich», und das Konkurrenzblatt «Marca» verglich den Madrilenen mit Spaniens größtem Radidol: «Contador, der neue Indurain.» Zwar seien beide grundverschieden, doch Contador sei ebenso wie der fünffache Tour-Sieger Miguel Indurain von «den Göttern auserwählt worden», eine Ära im Radsport zu prägen.

Dass der 27-Jährige einst mit dem Dopingskandal der «Operación Puerto» um den Arzt Eufemiano Fuentes in Verbindung gebracht wurde, davon fiel in Spanien kein Wort. In Contadors Heimat gehört dieses Kapitel der Vergangenheit an.

Zumal die Gegenwart viel rosiger aussieht: Contador gewann in Paris die Tour, Formel 1-Weltmeister Fernando Alonso siegte in Hockenheim und Motorrad-Pilot Jorge Lorenzo triumphierte beim Grand Prix der USA im kalifornischen Laguna Seca. «Die spanische Hymne ist der Sommerhit des Jahres», befand ein Hörfunkkommentator. «Wir sind die Supermacht des Weltsports», jubelt auch «Marca», und die seriöse «El País» spricht immerhin vom «Goldenen Zeitalter».

Warum auch nicht? Anfang Juli gewann Tennisstar Rafael Nadal sein zweites Wimbledon-Turnier und Golfer Miguel Angel Jiménez die Open de France. Am 11. Juli wurde Europameister Spanien erstmals auch Fußballweltmeister. Spaniens Basketballer um NBA-Star Pau Gasol sind ebenfalls Europa- und Weltmeister, Clubs wie der FC Barcelona und Real Madrid zählen in gleich mehreren Sportarten zur Elite.

«Kein anderes Land hat so etwas bisher geschafft», sagt Sport-Staatssekretär Jaime Lissavetzky. «Dies sind keine Einzelfälle, wir können von einer ganzen Generation Champions sprechen.» Abgesehen vom Talent der Sportler selbst sieht er das Erfolgsrezept darin, dass Spanien in den vergangenen 25 Jahren kräftig in die Förderung der Sportler und in Infrastrukturen investiert habe.

Eingeleitet wurde der qualitative Sprung, als Spanien 1985 den Zuschlag zur Ausrichtung der Olympischen Spiele 1992 in Barcelona erhielt. Seither hat sich die Organisation auch auf Verbandsebene enorm verbessert. «Ohne Planung ist der Erfolg nämlich unmöglich», weiß Spaniens NOK-Präsident Alejandro Blanco. Als weitere Gründe führt «Marca», die Klasse der Trainer, die mediterrane Ernährung und die vielen Sonnenstunden im Land an, die längeres Training erlaubten.