Hockenheim (dpa) - Sebastian Vettel läuft im Formel-1-Titelrennen die Zeit davon. Nach der verpassten Siegchance von Hockenheim droht dem einzigen deutschen Titel-Anwärter der Fluch des Vorjahres einzuholen, als er und sein Red-Bull-Team zu viele Punkte liegen ließen.

«Unter dem Strich hatten wir bis jetzt mit Abstand das beste Auto, wir müssen es in den nächsten Rennen nur umsetzen», forderte Vettel vor der Weiterreise zum Großen Preis von Ungarn.

«Mit Sicherheit hätten wir gern mehr Punkte mitgenommen», lautete Vettels süßsaures Fazit nach dem dritten Platz beim Heimrennen. Zum sechsten Mal war der 23-Jährige in diesem Jahr von der Pole Position gestartet, schon zum fünften Mal gelang ihm dennoch kein Sieg. Red Bull und Vettel fehlt es an der Effizienz. Technische Defekte, Strategiefehler, eigene Patzer und das überharte Duell mit Teamkollege Mark Webber behindern den Deutschen auf dem Weg zum erhofften Titel.

Der Hesse musste sich nach dem Heim-Grand-Prix vorrechnen lassen, dass er bereits 258 Punkte auf dem Konto haben könnte. Dafür hätte Vettel nur jeweils auf dem Platz ins Ziel kommen müssen, von dem er gestartet war. Tatsächlich aber liegt der Vizeweltmeister aus Heppenheim mit 136 Zählern hinter dem punktgleichen Webber auf Rang vier der Gesamtwertung. «Wir haben leider nicht viele Punkte auf die anderen herausholen können», stellte Vettel in Hockenheim fest.

Stattdessen meldete sich sogar der von Ferrari offensichtlich via Stallorder begünstigte Fernando Alonso als Vettel-Rivale zurück. Derartige Teambefehle würde sich der Red-Bull-Star im vergifteten Zweikampf mit Webber wohl auch wünschen, doch sein Teamchef ist dagegen. «Wir lassen unsere Piloten Rennen fahren», betonte Christian Horner.

So oder so muss Vettel bei seiner Aufholjagd in Ungarn dringend Fahrt aufnehmen. Vor dem letzten Rennen vor der kurzen Sommerpause scheint das McLaren-Spitzenduo etwas zu schwächeln. «Wir führen zwar die Meisterschaft an, sind allerdings nicht schnell genug. Da müssen wir etwas tun», forderte Lewis Hamilton, der mit 157 Zählern Erster vor Teamkollege Jenson Button (143) ist.

Die Stärke bei McLaren war bislang die Konstanz - gerade hier haben Vettel und sein Stall Nachholbedarf. Zwar feierten die beiden «Bullen» zusammen mehr Siege als die beiden Briten, doch als Punktesammler war das Insel-Duo stärker. Noch aber behält Vettel demonstrativ die Ruhe. «Wir gehen mit guter Stimmung und ohne irgendwelchen Fragezeichen nach Ungarn», versicherte er.