London (dpa) - Es ist wieder soweit. Der Buckingham-Palast öffnet am 27. Juli seine Türen und lässt das Volk herein. Die Queen selbst ist in Urlaub, da soll das Haus nicht leer stehen.

Hübsch ist er ja nicht, der Palast, vor allem von außen. Alle Befürworter des Berliner Stadtschlosses sollten vielleicht erst mal nach London fahren und sich anschauen, ob sie so einen Klotz wirklich wollen.

Die Windsors selbst sind die Letzten, die bestreiten würden, dass das «Buck House» kein Schmuckstück ist. Prinz Charles hat schon gesagt, dass er als König dort nicht wohnen will, und die Queen entfleucht übers Wochenende immer nach Windsor. Der Architekt Edward Blore (1787-1879) bekam zum Dank für sein Werk den Spitznamen «Blore the Bore» - Blore der Langweiler.

Der Palast ist vor allem eines: groß. Wie viele Zimmer er hat, weiß niemand so genau. Als die Queen einmal gefragt wurde, wie viele es wären, sagte sie, das wisse sie auch nicht, aber sie glaube, so um die 600. Anderswo liest man, es seien 775. Die Decken sind sehr hoch, vor allem wenn man wie die Queen nur 1,63 Meter groß ist.

Man kann sich in diesem überkandidelten Einfamilienhaus ganz leicht verlaufen. Dann irrt man unter Umständen eine Viertelstunde durch die Korridore, ohne eine Menschenseele zu treffen. Rechts und links Säle mit irgendwelchen Antiquitäten, alles unbewohnt. Dann endlich - ein Diener. «Hallo, ich suche den Ausgang.» - «Ok, kommen Sie mit.» Damit das den Touristen nicht passiert, ist der richtige Weg ausgeschildert.

Der einzige Deutsche, der sich im Buckingham-Palast bestens auszukennen scheint, ist Rolf Seelmann-Eggebert, der ARD-Adelsexperte und Commander of the British Empire. Er saß da früher zuweilen, als würde er zum Inventar gehören. Überhaupt hat man bei manchen Leuten den Eindruck, dass sie irgendwann mal bestellt und dann nie abgeholt wurden. Seitdem warten sie in irgendwelchen Zimmerfluchten und werden der Einfachheit halber mitverpflegt. Auf einen Esser mehr oder weniger kommt's hier nicht an.

Und wie sieht der Buckingham-Palast nun von innen aus? Ungefähr genauso wie das Prinzessinnenschloss in einem alten DDR-Märchenfilm. Entschieden zu viel Blattgold, zu viel Purpur, zu viel Baldachin. Dadurch wirkt das Ganze kulissenhaft unecht. Nur wenn man dann plötzlich vor Vermeers «Musikstunde» steht, weiß man: It's the real thing.