Barcelona (dpa) - Mit Bildern vom olympischen Gold-Quartett 1992 sind die deutschen Leichtathleten heiß auf die EM gemacht worden. Angeführt von den Team-Kapitänen Nadine Kleinert und Ralf Bartels startet das 73-köpfige Team am 27. Juli bestens vorbereitet, fit und hochmotiviert in die Titelkämpfe.

«Die Mannschaft geht mit Zuversicht, Mut und Risiko in die Wettkämpfe. Wir haben sie mit Bildern von den Olympischen Spielen 1992 auf die EM eingestimmt», sagte Thomas Kurschilgen, Sportdirektor des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), auf einer Pressekonferenz im deutschen EM-Club auf dem Montjuic.

Dieter Baumann, Silke Renk, Heike Drechsler und Heike Henkel hatten vor 18 Jahren Olympia-Gold für die erstmals vereinten deutschen Leichtathleten erkämpft. «Mit diesen Fotos haben wir das Team eingestimmt», erklärte Kurschilgen die ungewöhnliche Psycho-Maßnahme. Beim Saisonhöhepunkt wollen nun Betty Heidler (Hammer), Nadine Müller (Diskus), Kleinert, Bartels (beide Kugel) und Christina Obergföll (Speer) den früheren Olympia-Helden nacheifern.

«Die Mannschaft ist obenauf, es gibt keine Verletzungsprobleme», informierte Kurschilgen. Mit Kühlwesten und Kühltüchern haben sich die Sportler um Diskus-Weltmeister Robert Harting und Hürden-Hoffnung Carolin Nytra Athleten gegen die Hitze in der Millionenstadt am Mittelmeer gewappnet. «Die Mannschaft ist gut vorbereitet, sie ist gesund. Sie kann es kaum erwarten. Wir wollen hier natürlich gut abschneiden und einen guten Eindruck hinterlassen», sagte Günther Lohre, DLV-Vizepräsident Leistungssport.

Knapp 60 DLV-Starter waren am Vorabend der 20. EM schon in Barcelona, gleich für 19 wird es bereits am 27. Juli in den Vorkämpfen und drei Finals ernst. «Ich hoffe, dass ich unter den ersten Drei sein werde», meinte Kugelstoßerin Kleinert. «Mein Ziel ist es jedenfalls nicht, Sechste zu werden.» Kurios: Die Olympia-Zweite von 2004 und dreimalige Vizeweltmeisterin war bei ihren drei EM-Einsätzen dreimal Sechste geworden.

Bescheidenere Ansprüche haben 10 000-Meter-Titelverteidiger Jan Fitschen (Wattenscheid) und Geher Maik Berger (Berlin). Für beide hätte schon eine Top-Ten-Platzierung Medaillenqualität. «Ich hoffe, dass beim Wettkampf mehr herauskommt, als ich im Training reinstecken konnte», sagte Fitschen, der lange verletzt war.

Schwung und Motivation soll auch aus der Erinnerung an erfolgreiche Zeiten kommen. Vor vier Jahren nutzte das DLV-Team das «Skandinavien-Hoch» über Göteborg: Zehn Medaillen - darunter vier goldene - eroberten die Deutschen im Ullevi-Stadion.