London (dpa) - Murmeltiertag in Wimbledon: Zum neunten Mal seit 2000 geht die begehrteste Tennis-Trophäe der Welt an die Familie Williams. Mit ihrem 13. Grand-Slam-Titel und dem 4. Auf dem Heiligen Rasen steigt Serena in einen erlauchten Kreis auf.

Die Ohrringe und die Halskette hatte sie von ihrer Schwester Venus stibitzt - doch die silberne Siegerschale gehörte ganz allein ihr. Aufgeregt wie ein kleines Mädchen schloss Serena Williams nach ihrem vierten Wimbledonsieg die Venus Rosewater Dish in die Arme und tanzte mit ihr beschwingt in den altehrwürdigen All England Club. «Ich habe mich wie in einem Frank-Sinatra-Song gefühlt: Come fly with me», sagte sie später über diese Szene.

Im Clubhaus wartete Billie Jean King, der Serena schon auf dem Platz frohlockend zugerufen hatte: «Hey, Billie. Ich hab Dich!» Mit 13 Gand-Slam-Titeln hat die jüngere der Williams-Schwestern nicht nur das US-Tennisidol überholt. Sie ist nun Sechste in der Rangliste der Besten ihres Sports - hinter Margaret Smith-Court (24 Grand-Slam-Titel), Steffi Graf (22), Helen Wills Moody (19), Martina Navratilova und Chris Evert (je 18).

«Die 13 ist meine Glückszahl», sagte Serena, die diesen Meilenstein ihrer Karriere schon kurz nach dem Matchball zum 6:3, 6:2 über die chancenlose Russin Wera Swonarewa anzeigte - mit den Fingern für ihre Familie in der Box. «Ich bin froh, dass ich so weit gekommen bin. Man weiß nie, was morgen ist», sagte die 28 Jahre alte Weltranglistenerste, die dafür sorgte, dass die Schale in den vergangenen elf Jahren zum neunten Mal in der Familie blieb.

Wieder grüßte das Murmeltier, wie die Tennisreporter des «Independent on Sunday» halb bewundernd, halb resigniert anmerkten. «Auf dem Platz sind sie Krieger, ansonsten voller Anmut», schmeichelte Trainer-Guru Nick Bollettieri den Schwestern.

Derzeit ist kaum vorstellbar, dass Serena als Branchenführerin abgelöst werden könnte, auch wenn Swonarewa nach ihrem ersten Grand- Slam-Finale trotzig beharrte: «Natürlich ist sie schlagbar, sie ist ja ein Mensch und keine Maschine.»

Die Zahlen sprechen aber dafür, dass Serena tatsächlich nur einen Hebel umlegen muss, wenn ein großes Turnier beginnt: Sie gab nicht einen Satz ab und fertigte Swonarewa brutal in 67 Minuten ab - schneller war in einem Wimbledon-Finale zuletzt Steffi Graf 1992 bei ihrem 6:2, 6:1-Sieg in 58 Minuten über Monica Seles.