Roskilde (dpa) - Im dänischen Roskilde hat Patti Smith den glanzvollen 4:0-Sieg der deutschen WM-Elf gegen Argentinien untermalt. Während 3000 Rock- und Fußballfans die Tore von Miro Klose, Thomas Müller und Arne Friedrich auf einem Großbildschirm bejubelten, bullerte im Hintergrund die Musik der US-Sängerin.

Noch vor vier Jahren hatte die klare Roskilde-Mehrheit beim 3:2- Viertelfinalsieg der Deutschen für Argentinien mitgefiebert. Diesmal war es schon beim Anpfiff umgekehrt. Beim Abpfiff sowieso. Die Sonne hat über Europas traditionsreichstem Rockfestival vier Tage lang ohne Pause gestrahlt. Neben den großen Namen wie Smith, Gorillaz, Muse und dem Hardrock-Trio Them Crooked Vultures brachten wie immer in Roskilde auch unbekanntere Bands mit Pfiff die 75 000 Besucher in die schönste Sommerstimmung, die man sich vorstellen kann. «Staff Benda Billi» aus Zaire zum Beispiel, eine mitreißende Band mit überwiegend durch Polio verkrüppelten Musikern.

Daheim in Kinshasa eine der wenigen Möglichkeiten, ein bisschen was zum Überleben zu verdienen, auf der Festivalbühne vor den Toren Kopenhagens so unwiderstehliche Tanzmusik, dass dem Kritiker von «Politiken» zu den Sängern auf Krücken sowie im Rollstuhl nur noch ein sprachlich gewagtes Bild einfiel: «Nase, Mund und Herz flossen einem über. Wild, funky und nicht die geringste Spur von Freakshow.»

Das 40. Festival war weniger wegen des runden Geburtstages etwas besonderes, sondern weil genau zehn Jahre zuvor neun junge Besucher während eines Pearl-Jam-Konzertes zu Tode gedrückt worden waren. Ein Solo-Trompeter im Stil von «Ich hatt' einen Kameraden» und Patti Smith zelebrierten eine etwas pathetisch geratene kleine Gedenkfeier. Viele überlegten, was sich seit dem schrecklichen Unglück an der Festivalkultur geändert hat: Die Sicherheit vor den Bühnen ist massiv verstärkt, das Publikum mit wilden Aktivitäten wie Crowd-Surfen über den Köpfen anderer deutlich vorsichtiger geworden. Alkohol und andere Drogen haben ihren Platz behalten.

Insgesamt wirkte Roskilde in diesem Jahr wieder ein Stück glatter und noch professioneller durchorganisiert. Nicht jeder mag das. Dass man heute tatsächlich ein Hotelbett mit allem Komfort auf dem Festivalgelände für umgerechnet 800 Euro mieten kann, spricht Bände. Das ändert nichts daran, dass es wenige Orte mit so vielen frohen, freundlichen Gesichtern auf einem Haufen gibt wie den Roskilde- Festivalplatz 30 Kilometer westlich von Kopenhagen.

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