München (dpa) - Film kontra Fußball - für das Münchner Filmfest war der Wettkampf in diesem Jahr hart. 214 Streifen aus aller Welt gegen eine überraschend starke, dynamische Nationalmannschaft. Kein Wunder, dass rund um die deutschen WM-Spiele so mancher Kinosessel leerblieb.

Dazu das sehnlichst erwartete Sommerwetter, das die Menschen in Biergärten und an die Seen lockte - harte Konkurrenz, die sich auch an den Festivalkassen bemerkbar machte. Festivalleiter Andreas Ströhl geht von rund 66 000 verkauften Tickets aus, rund 9000 weniger als ein Jahr zuvor. Doch Ströhl ist dennoch zufrieden. Trotz dieser Umstände habe man das zweitbeste Ergebnis erreicht, zog er die Bilanz des Festivals, das am Samstagabend mit einer Party unter freiem Himmel zu Ende ging.

Die Autogrammjäger konnten in den vergangenen Tagen vor allem ihre Sammlung mit Unterschriften deutscher Promis aufstocken. Heino Ferch, Mario Adorf oder Veronica Ferres - sie alle stellten einen Film vor oder wurden wie Sibel Kekilli mit einem Preis geehrt. Größter internationaler Star war Mads Mikkelsen, bekannt etwa aus dem James-Bond-Film «Casino Royale». Seelenruhig schrieb der Däne seinen Namen auf Autogramm-Karten, schwärmte vom deutschen Fußball und mischte sich völlig entspannt unter die Festival-Besucher.

Mikkelsen war nicht der einzige berühmte Gast, doch der einzige mit einem so hohen Promi-Faktor. Regisseure wie Bertrand Tavernier, Abbas Kiarostami oder Richard Linklater dürften auf der Straße wohl nur Cineasten erkennen. Die Zuständigkeiten scheinen aufgeteilt: Die Berlinale rollt den Roten Teppich aus für berühmte Weltstars, die Münchner dagegen sind stolz auf ihren Ruf als Publikumsfestival. Hier könnten die Zuschauer ganz unkompliziert Filmemacher und Schauspieler treffen und mit ihnen über ihre Werke diskutieren, betont Festivalleiter Ströhl immer wieder gerne.

Der beliebteste Film der Zuschauer stammte nicht von einem der großen Regisseure. Der Südtiroler Philipp J. Pamer setzte sich beim Bayern 3-Publikumspreis mit seinem Spielfilmdebüt durch: «Bergblut» schildert den Volksaufstand rund um den Tiroler Freiheitskämpfer Andreas Hofer. Den Kindern gefiel am besten die polnische Komödie «Der magische Baum» von Andrzej Maleszka, in dem es einen Stuhl gibt, der Wünsche erfüllen kann.

Nach acht Tagen voller Filme, Empfänge und Preisverleihungen war der Ausklang am Samstag in der lauen Sommernacht entspannt: Von der Straße her erklangen selbst zu später Stunde immer noch Vuvuzela-Klänge der deutschen und später auch spanischen Fußballfans, die den Einzug ihrer Teams ins Halbfinale feierten. Dazwischen indische Musik - eine Referenz an das diesjährige Schwerpunktland. Im kommenden Jahr sollen Filme aus Schweden im Mittelpunkt stehen - dann werden sich die Gäste am letzten Abend vielleicht zu schwedischer Volksmusik oder zu Abba vergnügen.