Heidelberg (dpa) - Der Kampf ist entschieden: Elefantenbulle «Voi Nam» legt seinen Rüssel auf den Rücken seines Artgenossen «Thai» und signalisiert damit «Ich bin hier der Chef». Seit rund einer Woche leben «Voi Nam», «Thai» und «Tarak» in der ersten WG junger Elefantenbullen in Deutschland zusammen.

«Es ist ganz normal, dass es zu Rangeleien kommt», sagt Stefan Geretschläger, Leiter des Elefantenreviers im Heidelberger Zoo. Die Tiere sind fünf bis acht Jahre alt und in der Pubertät. «Die Rangkämpfe werden noch eine Weile dauern».

«Es wäre völlig verkehrt, einzuschreiten. Wenn man versucht, die natürlichen Verhaltensmuster zu beschneiden, bekommt man Monster», sagt Geretschläger. Genau das soll im Heidelberger Zoo mit dem bundesweit einmaligen Projekt verhindert werden. In freier Wildbahn werden die Jungbullen im Alter fünf bis acht Jahren von der Herde verstoßen - bei Elefanten herrscht strenges Matriarchat. Die Tiere ziehen anschließend - bis zur Geschlechtsreife im Alter von etwa 15 Jahren - in Junggesellengruppen umher. In Tierparks war es bisher üblich, die pubertierenden Dickhäuter in dieser Zeit allein ohne Kontakt zu anderen Elefanten zu halten. Mit den entsprechenden Folgen: Sie sind nicht sozialisiert und können später sogar Elefantenkühe angreifen, berichtet Geretschläger.

Der wesentlich kleinere «Tarak» nähert sich vorsichtig den beiden Kontrahenten. Während der Rangelei hatte er das Weite gesucht. Der knapp fünfjährige Elefantenjunge aus Hannover war in den ersten Tagen nach seiner Ankunft in Heidelberg nervös und vermisste seine Herde. Mittlerweile gibt ihm der achtjährige «Voi Nam» aus Leipzig Sicherheit. «Voi Nam ist die Mutter Beimer von Heidelberg», sagt Geretschläger augenzwinkernd. Der etwa 2,5 Tonnen schwere Bulle sorge dafür, dass «Tarak» seine Portion vom Futter bekomme und weise «Thai» zurecht, wenn er den Kleinen ärgere.

Friedlich stehen die drei asiatischen Jungelefanten mittlerweile im Schatten nebeneinander, «Voi Nam» streichelt «Thai» mit dem Rüssel über den Bauch - eine Beruhigungsgeste. «Wir hatten Zoff, aber jetzt ist wieder alles ok», übersetzt Geretschläger - bis zum nächsten Streit, den «Voi Nam» vermutlich wieder gewinnen dürfte. Er ist etwas größer und 500 Kilogramm schwerer als der fast sechs Jahre alte «Thai» aus Hamburg. «Größe und Gewicht sind bei Elefanten meist ausschlaggebend für die Dominanz», sagt der Experte.

Die nächsten Jahre verbringen die drei Elefanten in ihrer Junggesellen-WG in Heidelberg. Wenn sie 12 bis 13 Jahre alt sind, werden sie wieder auf die Reise gehen und ihre Zuchtgruppen in verschiedenen Zoos in Europa übernehmen.