Hamburg (dpa) - Die Automobilindustrie und die Bahn müssen in den kommenden Jahren enorme Herausforderungen bewältigen, um Gütertransport und Mobilität zu sichern.

Darüber waren sich Bahnchef Rüdiger Grube und der Daimler-Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche bei einer Diskussionsveranstaltung auf Einladung der Wochenzeitung «Die Zeit» am Sonntag in Hamburg einig. Die verschiedenen Verkehrsträger seien dabei weniger als Konkurrenten, sondern vielmehr als Kooperationspartner zu betrachten. Es komme darauf an, durch intelligente Vernetzung von Bahn und Auto, Schiff und Flugzeug die Verkehrs-Infrastruktur optimal auszunutzen.

«Wir wollen die schnittstellenlose Mobilität schaffen», sagte Grube. In der Zukunft werde es keine Ticketschalter mehr geben, sondern der Reisende werde ein Smartphone bei sich tragen und seine Reise per Bahn, Flugzeug oder Auto aus einer Hand organisieren. So unterhalte die Bahn Carsharing-Stützpunkte an den Bahnhöfen und stelle Leihfahrräder für die Mobilität innerhalb von größeren Städten zur Verfügung. Diese Modelle hätten sich bereits bewährt.

Mit ähnlichen Konzepten experimentiert auch Daimler, etwa mit einem «Car to go»-Projekt in Ulm. Dort können Kunden mit einem Chip auf dem Führerschein «Smart»-Autos benutzen. In den Städten komme es darauf an, effektive Massentransportsysteme mit dem Individualverkehr zu verknüpfen.

«Wir stehen erst am Anfang des individuellen Automobilverkehrs», sagte Zetsche im Hinblick auf die beginnende Motorisierung von Ländern wie China und Indien. Es sei aber klar, dass die nächsten 800 Millionen Autos nicht ebenso betrieben werden könnten wie die heutige Flotte. Daimler sei deshalb Kooperationen mit Partnern eingegangen, um die Milliardeninvestitionen der nächsten Jahre in neue Antriebskonzepte möglichst effektiv zu gestalten. Geplant sei zum Beispiel eine Hybrid-S-Klasse, die bei typischem Verkehrsverhalten nur noch drei Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer benötige.

Er sei überzeugt, dass es immer einen Markt für Premium-Autos geben werde, sagte der Daimler-Chef. «Menschen wollen sich differenzieren, aber das muss nicht Prunk und Protz bedeuten, sondern kann auch über umweltfreundliche Autos geschehen», sagte er. An der Spitze der Konsumpyramide seien die Kunden in vielen Märkten bereit, viel Geld für umwelt- oder sozialverträgliche Produkte auszugeben.