München (dpa) - Ausgequalmt: Bayern führt als erstes Bundesland in der Gastronomie ein Rauchverbot ohne Ausnahmen ein. Bei einem Volksentscheid stimmten am Sonntag 61 Prozent der Wähler dafür, den blauen Dunst in Gaststätten, Kneipen und Bierzelten komplett zu verbieten.

Das Gesetz tritt am 1. August in Kraft. Der Volksentscheid bedeutet einen vorläufigen Schlussstrich unter einen jahrelangen Streit ums Rauchen - und eine Niederlage für die CSU/FDP- Regierung von Ministerpräsident Horst Seehofer, die das nun verworfene Gesetz zu verantworten hatte.

Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis votierten lediglich 39,0 Prozent der Wähler für die Beibehaltung der bisherigen Rauchverbotsregelung. Diese erlaubte das Qualmen in Nebenräumen von Wirtshäusern, in kleinen Einraumkneipen und in Bierzelten.

Die Wahlbeteiligung lag nach dem vorläufigen Endergebnis bei 37,7 Prozent und damit deutlich niedriger als bei Landtags- oder Bundestagswahlen üblich. Es musste aber kein bestimmtes Mindest-Quorum erreicht werden - die einfache Mehrheit war ausreichend.

Die Befürworter des strikten Rauchverbots jubilierten. «Liebe Staatsregierung, lieber Herr Seehofer, vielleicht sollten Sie öfter das Volk entscheiden lassen», rief der Sprecher des Aktionsbündnisses «Ja zum Nichtraucherschutz», Sebastian Frankenberger (ÖDP).

Grünen-Landeschefin Theresa Schopper sprach von einem «schönen Tag für den Gesundheitsschutz in Bayern». Und SPD-Generalsekretärin Natascha Kohnen sagte: «Der Verlierer des Tages ist die CSU.» Die Bürgerinnen und Bürger hätten deutlich gemacht, dass sie des jahrelangen Hin und Hers der CSU überdrüssig seien.

Der Sprecher des Raucher-Aktionsbündnisses «Bayern sagt Nein», Franz Bergmüller, machte für die Niederlage vor allem die geringe Wahlbeteiligung verantwortlich. Wenige Prozent der Bevölkerung hätten einen großen Teil der Menschen «majorisiert». «Das wird nicht zur Befriedung der Gesellschaft beitragen, sondern zu einer weiteren Spaltung und zum Denunziantentum», sagte Bergmüller voraus.