London (dpa) - Das Sand-Rasen-Doppel im Tennis zu gewinnen, galt lange Zeit als spezielles Kunststück des legendären Björn Borg. Nun hat Rafael Nadal es schon zum zweiten Mal geschafft.

Es war alles so selbstverständlich, dass die große Spannung oder sogar Euphorie vergangener Jahre nie aufkam. Selbst der Rasen hatte seine ehrwürdige Gestalt verloren und präsentierte sich zum Finale der 124. Auflage der All England Championships in Wimbledon in einem bemitleidenswerten Zustand. Für Rafael Nadal aber war der Boden bereitet für seinen zweiten großen Double-Coup auf dem braun gewordenen Gras, das so gar nichts Heiliges mehr an sich zu haben schien. Zum zweiten Mal nach 2008 holte der Spanier zum Doppelschlag aus und triumphierte vier Wochen nach den French Open, wo er die Konkurrenz auf Sand in Schach hielt, auch beim berühmtesten Grand-Slam-Tennisturnier in Wimbledon.

«Das Leben ist schon verrückt», meinte Nadal nach seinem 6:3, 7:5, 6:4-Erfolg gegen den Tschechen Tomas Berdych, den er in 2:13 Stunden lockerer errang, als es das Ergebnis erahnen lässt. «Erst dauert es Jahre, bis es einer wieder schafft - und dann gelingt es Roger und mir gleich dreimal nacheinander.» Nach Björn Borg, der das Sand-Rasen-Doppel zwischen 1978 und 1980 gleich dreimal gewann, dauerte es 28 Jahre, bis Nadal erstmals wieder das Kunststück gelang, nacheinander in Paris und London zu siegen. Als er vergangenes Jahr wegen seiner Knie-Verletzung schwächelte, schaffte es auch Roger Federer.

Der sechsmalige Champion aus der Schweiz war am Finaltag schon längst im Urlaub. Nach seinem Aus gegen Berdych im Viertelfinale hatte er sein Lieblingsturnier ärgerlich verlassen. Es war eine der Überraschungen dieses verrückten Wimbledon 2010, zu dem auch der Fabel-Rekord von John Isner und Nicolas Mahut gehörte. In der ersten Runde trennten sie sich erst nach dreitägigem Dauer-Tennis, als der Amerikaner Isner seinen französischen Kontrahenten nach über elf Stunden Spielzeit mit 70:68 im fünften Satz vom Nebenplatz 18 geschickt hatte.

Das Finale der Herren verblasste im Vergleich zu diesen Ereignissen, wie auch das der Damen. Zu eindeutig war die Dominanz von Serena Williams und Nadal. Mit acht Grand-Slam-Siegen hat der 24- jährige Mallorquiner nun ebenso viele große Titel wie Andre Agassi, Jimmy Connors, Ivan Lendl, Fred Perry und Ken Rosewell - und zwei mehr als Federer in diesem Alter. Der Grand-Slam-Rekordler (16 Titel) will die Rivalität nach einer Verschnaufpause wieder aufleben lassen. Nadal denkt sowieso nicht an Rückzug, obwohl es noch vor Wochen so aussah, als ließen ihm die lädierten Knie keine andere Wahl. «Es ist alles wieder gut», sagte das Kraftpaket. «Ich habe überhaupt keine Schmerzen mehr.»

Das neuerliche Verletzungsdrama in Melbourne Anfang des Jahres, als er gegen den Briten Andy Murray im Viertelfinale aufgab und die Spekulationen um sein Karriereende ins Kraut schossen, hat ihn nicht aus der Bahn geworfen. Daheim auf seiner Insel im Mittelmeer hat er abgeschaltet und sich zu neuen Großtaten motiviert. Mit einem simplen Geheimnis: «Wenn man etwas ganz fest will, dann schafft man es auch. So einfach ist das», verriet Nadal, grinste und wischte sich die zerzausten Haare aus dem Gesicht.

Sein nächstes großes Karriereziel seien die US Open - das einzige Grand-Slam-Turnier, das er bisher nicht gewinnen konnte. Wie er sich die Zeit bis Ende August vertreiben will, verriet Nadal nicht. Fischen, Golfen, Faulenzen, Party machen - oder doch ab ins Flugzeug und zur WM nach Südafrika, wo Spanien am 7. Juli auf Deutschland trifft? «Ich weiß es nicht, es ist ein langer Weg dorthin», sagte der begeisterte Fußball-Fan. Doch sein Blick verriet, wie sehr ihn der Gedanke reizt, beim WM-Halbfinale auf der Tribüne zu sitzen. Und wenn man etwas ganz fest will...