London/Berlin (dpa) - Der Energiekonzern BP sucht in seiner Not Hilfe bei potenten Geldgebern. Angesichts der explodierenden Kosten für die Ölpest-Bekämpfung im Golf von Mexiko strebe BP an, ein Aktienpaket in Höhe von fünf bis zehn Prozent an einen strategischen Investor zu geben.

Das berichteten britische Medien am Montag. Demnach nahmen BP-Berater Kontakt mit Staatsfonds in Abu Dhabi, Qatar und Kuwait auf. Laut «Sunday Times» wird eine Kapitalerhöhung um bis zu sechs Milliarden Pfund (derzeit 7,2 Mrd Euro) angestrebt. Auch die strategische Beteiligung eines Konkurrenten komme für BP in Betracht.

Die Ölpest im Golf von Mexiko hat den Ölkonzern nach Angaben vom Montag bislang Kosten in Höhe von 3,12 Milliarden Dollar (derzeit 2,5 Mrd Euro) verursacht. Die Summe zahlte BP demnach für Rettungsmaßnahmen, die Beseitigung von Umweltschäden und die Entschädigung von Betroffenen. Analysten schätzen, dass im Zusammenhang mit der Katastrophe Gesamtkosten von umgerechnet bis zu 55 Milliarden Euro auflaufen.

Zu einem Übernahmekandidaten könnte BP wegen des Kursverfalls seiner Aktie werden: Das BP-Papier ist seit Beginn der Ölpest um mehr als die Hälfte auf rund 320 Pence eingebrochen. Die Suche nach einem strategischen Investor dient den Berichten zufolge dazu, den BP- Börsenwert wieder zu steigern.

Eine feindliche Übernahme könnte BP etwa von Seiten des Konkurrenten Exxon Mobil drohen. Allerdings würde eine Übernahme ein enormes Risiko bedeuten, solange die Kosten für die Ölpest nicht kalkulierbar sind.

Arabische Investoren sind in den vergangenen Jahren bei mehreren Großkonzernen eingestiegen, darunter die Banken Citigroup und Barclays sowie beim deutschen Autobauer Daimler. Der arabische Investor Kuwait Investment Office ist bereits mit 1,75 Prozent an BP beteiligt.

In der vorvergangenen Woche hatte sich BP rund 20 Milliarden Dollar Bargeld und Kredite besorgt, um etwa den bei der US-Regierung zugesagten Fonds für Schadensersatzansprüche zu füllen. Weitere fünf Milliarden sind Medienberichten zufolge angefragt.