Brüssel (dpa) - Das Internet gilt als der ideale Tummelplatz für Kinderschänder: Millionen kinderpornografischer Bilder und Filme sind im weltweiten Netz zu finden. Manche Täter nehmen in Chat-Räumen Kontakt zu Kindern auf (Grooming), andere stellen Aufnahmen von Vergewaltigungen und Folter ins Internet. Die Europäische Union (EU) will nun präziser dagegen vorgehen.

Dazu hat die Kommission im März dieses Jahres Richtlinien präsentiert, an die sich künftig alle 27 Mitgliedstaaten halten sollen. Das Ziel ist klar, ein Punkt aber ist strittig. Was nämlich mit den illegalen Seiten geschehen soll: löschen oder sperren?

Die Kommission vertritt eine klare Auffassung. Die Mitgliedstaaten sollen verpflichtet werden, die illegalen Seiten zu blockieren. «Nicht nur die Verbreitung der Bilder von Kindesmissbrauch wird damit reduziert, und somit der Handel weniger profitabel, sondern das Trauma der Opfer begrenzt», sagte EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström bei einer Anhörung. Großbritannien, Italien und Schweden praktizierten dies bereits erfolgreich.

Weil viele Webseiten auf Servern in Drittländern wie den USA oder Russland angesiedelt sind, soll die Zusammenarbeit mit diesen Staaten intensiviert werden. Würde die Kommission mit dem Vorhaben durchkommen, müsste auch Deutschland jene Websperren einführen, die die Bundesregierung inzwischen ablehnt. Die umstrittenen Sperren waren zwar von der schwarz-roten Vorgängerregierung auf den Weg gebracht worden - die schwarz-gelbe Koalition vereinbarte dann aber im Koalitionsvertrag, die Sperrung von kinderpornografischen Seiten zunächst für ein Jahr auszusetzen.

Das Europäische Parlament unterstützt den Richtlinien-Vorschlag der Kommission, Tempo und Herangehensweise sind aber umstritten. Inhalte von Internetseiten müssten verschwinden, fordert das Parlament. Die CDU-Abgeordnete Sabine Verheyen erklärt, warum: Der erschwerte Zugang entferne nicht den Inhalt aus dem Internet. «Auch die Täter werden so nicht ermittelt und der Zugriff auf die Inhalte nicht sicher verhindert.» Die Entscheidung darüber, zusätzlich Internetsperren einzurichten, sollte bei den Mitgliedsstaaten verbleiben und nicht EU-weit zwingend vorgeschrieben werden.

Nur wenige hundert Opfer können nach Angaben der Unicef tatsächlich identifiziert werden. Auch Experten sind sich uneins, ob Sperren oder Löschen sinnvoller ist. Wichtiger seien zusätzliche Maßnahmen zur Prävention. Bis die Opfer von ihren sexuellen Missbräuchen erzählten, vergingen manchmal Jahre oder Jahrzehnte.

Die Täter sogenannter Internet-Kriminalität zu schnappen, ist eine der Hauptaufgaben der europäischen Polizeibehörde Europol. Heute hätten sich durch kriminelle Netzwerke Geschäftsstrukturen etabliert, die große Profite abwürfe, sagt der Direktor der europäischen Polizei, Rob Wainwright. Die Anonymität im Internet bevorteile die Täter aber. Europol will eine Plattform aufbauen und Kommunikation wie Schnelligkeit verbessern. Die Mitgliedstaaten sollen online von ihren Erfahrungen berichten.