Berlin (dpa) - Ihr Thema ist die digitale Gesellschaft, aber ihr wichtigstes Arbeitsmittel ist das Papier: Die Teilnehmer einer öffentlichen Anhörung der Enquete-Kommission des Bundestags zum Thema «Internet und digitale Gesellschaft» erwartete am Montag ein 170 Seiten starker Papierberg, ganz analog.

Mal auf zwei, mal auf 53 Seiten breiteten die nach Berlin geladenen Sachverständigen ihre Antworten auf jeweils fünf Fragen der Bundestagsfraktionen aus. Einer allerdings mokierte sich darüber, dass er einen einfachen Text abgeben sollte: Dies bleibe «weit hinter den Möglichkeiten der neuen Medien zurück», bemängelte der Bremer Professor Peter Kruse.

Viel besser wäre es doch, so empfahl der Sachverständige, «kollektive Antworten in Wikis entstehen zu lassen und die Sichtweisen durch Video-Statements anzureichern». Über Wikis können online Textbeiträge zusammengetragen und von verschiedenen Nutzern bearbeitet werden. Nicht bedacht aber hat der Professor, dass man Wikis und Videos nicht abstempeln kann - auf jedem Papier der Kommission prangt auf der ersten Seite ein Stempel mit der Aufschrift: «Ausschussdrucksache».