Essen (dpa) - Rund einen Monat nach dem Zuschlag für den Karstadt- Investor Berggruen sind die Verhandlungen mit den Vermietern offenbar festgefahren. Milliardär Nicolas Berggruen warf dem Karstadt- Vermieter Konsortium Highstreet eine Blockadehaltung vor.

«Die Frage ist: Blockiert Highstreet, oder gibt es technische Schwierigkeiten? Ich glaube: beides», sagte der Milliardär einem Gespräch mit dem «Handelsblatt» (Montagausgabe). Wenn es nicht weitergehe, werde man in den nächsten Tagen die deutsche Regierung als Vermittler ansprechen, kündigte Berggruen an. «Es muss jemand für Deutschland und Karstadt aufstehen. Das kann am Ende des Tages nur die Politik sein», sagte er. «Wir haben unseren Teil getan.» Er verlange keine finanzielle Hilfe, «aber das Pokerspiel muss aufhören», forderte Berggruen.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) will jedoch keine aktive Vermittlerrolle in den Verhandlungen übernehmen. Brüderle gehe davon aus, dass die beteiligten Unternehmen - der Investor Nicolas Berggruen und das Vermieterkonsortium Highstreet um Goldman Sachs - ihre Verhandlungen alleine und erfolgreich führen konnten, sagte Brüderles Sprecherin Beatrix Brodkorb am Montag in Berlin. Staatshilfen für Karstadt kämen nicht infrage.

Ein Kompromiss mit Highstreet sei bereits vor zehn Tagen gefunden worden, sagte Berggruen. «Seither aber stockt der Prozess», sagte er. Der Investor hatte den Kaufvertrag für Karstadt Anfang Juni unterzeichnet, ohne dass zuvor eine Einigung über die Mieten mit Highstreet erfolgt wäre. Bis zum 15. Juli soll eine Einigung erzielt sein. Einen Tag später soll das Essener Amtsgericht über den Karstadt-Insolvenzplan entscheiden.

Selbst wenn eine grundsätzlichen Einigung zwischen Berggruen und Highstreet bis Mitte Juli erfolgen sollte, müssten immer noch die zahlreichen Gläubiger des Immobilienkonsortiums der Vereinbarung zustimmen. Da für ein solches Gläubigertreffen in der Regel eine Einladungsfrist von 21 Tagen gilt, hatte Berggruen am vergangenen Freitag eine Einladung zu einem solchen Treffen bis zum Dienstag (6. Juli) um 24.00 Uhr gefordert. Nur wenn diese Einladung erfolge, sei Berggruen bereit, die im Kaufvertrag für Karstadt vereinbarte Frist bis zum 30. Juli zu verlängern.

Der Deutsch-Amerikaner verhandelt bereits seit fast vier Wochen mit dem Vermieter-Konsortium Highstreet über eine Senkung der Mieten und eine Änderung der Mietverträge. Berggruen hatte sich Ende Mai in einem Bietergefecht den Zuschlag für die insolvente Warenhauskette gesichert, unter anderem weil er versprach, Karstadt als Ganzes zu erhalten. Für sein Sanierungskonzept braucht Berggruen aber die Zugeständnisse der Vermieter. Kommt es nicht zu einer Einigung, droht dem Warenhausunternehmen mit bundesweit 120 Standorten und 25 000 Beschäftigten die Zerschlagung.

Auch das Highstreet-Konsortium, hinter dem die US-Investmentbank Goldman Sachs und die Deutsche Bank stehen, hatte für Karstadt geboten, war aber leer ausgegangen. Eine Minderheitsbeteiligung, die Highstreet auch am Gewinn beteiligen würde, schloss Berggruen aus. «Wir haben das diskutiert. Aber hier sehe ich einen Konflikt.» Vermieter und Betreiber in einer Person zu sein, halte er für fragwürdig.