Salzburg (dpa) - Alles dreht sich um die Liebe. Euridice im roten Kleid und Orfeo im blauen Anzug stehen in der Mitte, während eine gealtert-spießige Abendgesellschaft auf drehbarem Boden, wie auf einem Karussell, um sie kreist.

Tod, Versuchung und Eifersucht treten auf. Am Ende aber drehen sich die geläuterten Liebenden - sie inzwischen im reinweißen Kleid - um sich selbst, und die zänkische Gesellschaft darf zuschauen. Ein Happy End wie in Hollywood.

Der Regisseur Dieter Dorn, Intendant des Bayerischen Staatsschauspiels, erhielt für seine Interpretation der Oper «Orfeo ed Euridice» von Christoph Willibald Gluck am Samstag bei den Salzburger Festspielen tosenden Applaus. Genauso begeistert wie von der gediegen-süße Inszenierung war das Publikum bei der Premiere von den Wiener Philharmonikern unter der Leitung von Riccardo Muti und der Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor. Auch die Frauenriege mit Elisabeth Kulman als Orfeo, Genia Kühmeier als Euridice und Christiane Karg als Amore überzeugten mit solider Leistung.

In der um 1762 entstandenen Oper geht es um die griechisch-mythologische Geschichte der Liebenden Orpheus und Eurydike, die durch den Tod Eurydikes getrennt werden. Orpheus steigt in die Unterwelt hinab, um seine Geliebte zu retten, und kann mit seinem Gesang die Furien besänftigen. Er verliert sie jedoch abermals, weil er sich entgegen der göttlichen Abmachung auf dem Weg nach oben nach ihr umwendet. Entgegen der antiken Vorlage haben Glucks Götter abermals ein Einsehen und lassen die Liebenden auf der Welt weiterleben.

Dorn setzt die Love-Story in eingängigen Bildern um. Euridice stirbt, versinkt prompt in einem Loch im Boden, und das Orchester rauscht gleich mit eine Etage tiefer in den Graben. Ihr Grab wird wie nach einem Promi-Tod mit allerlei roten Blumen, Herzchen, Bildchen und Grabkerzen geschmückt. Die Götter thronen beige gewandet als greiser Herrenclub mit Kaiser-Wilhelm-Bärten im Hintergrund.

Zahlreiche kriechende Gestalten bevölkern Dorns giftig orange angestrahlte Unterwelt. Sie gieren mit großer Geste nach Orfeo, der dort per Leiter aus dem Bühnenhimmel ankommt. Den langen Weg nach oben gestaltet Dorn überraschend statisch vor kargem Hintergrund. Euridices zunehmende Zweifel an der Liebe ihres Gatten und seine qualvollen Versuche, der Versuchung zu entgehen, gehen nicht zu Herzen. Als sich dann wieder das inzwischen bekannte Loch im Boden auftut und die Geliebte verschwindet, reagiert das Publikum mit Lachen statt Rührung.

Weiteres amüsiert-aufgeregtes Gemurmel ringt Dorn den Salzburger Zuschauern mit dem Einfall ab, auch ein schwules Pärchen auf die Bühne zu schicken: In der langen Ballettszene zeigen Statisten-Paare quasi als Mahnung, dass auch in der Liebe nicht immer alles gut ist. Sie führen Streit-Gesten vor, raufen sich oder hauen sich Blumen auf den Kopf. Das Ende ist dann für wirklich alle gut: Die Liebenden stehen ikonenhaft wie das Deko-Pärchen einer Hochzeitstorte in all dem Tumult, und Muti wie Dorn werden für ihre Umsetzung groß bejubelt.