Madrid (dpa) - Sami Khedira will mit seinem Wechsel zu Real Madrid den Durchbruch zur Weltklasse schaffen und sich einen Stammplatz in der deutschen Fußball-Nationalelf sichern.

Der bisherige Profi des VfB Stuttgart, der am Wochenende einen Fünfjahresvertrag beim spanischen Rekordmeister unterzeichnete, will nach der Rückkehr des verletzten Michael Ballack nicht freiwillig ins zweite Glied der DFB-Elf zurückkehren. «Ich werde mich definitiv nicht freiwillig hinten anstellen und mich zurücknehmen, wenn es in Zukunft um Plätze in der Startelf geht», sagte der 23-jährige Mittelfeldspieler in einem Interview mit der «Welt am Sonntag».

In Madrid wolle er zu einem «internationalen Top-Spieler» reifen. «Ich denke, dass ich eine sehr gute WM gespielt habe, dazu noch alle Spiele von Beginn an. Mit dem Wechsel nach Madrid mache ich nun meinen nächsten Schritt.» Bundestrainer Joachim Löw habe ihm zu diesem Schritt gratuliert.

Khedira tritt bei Real in die Fußstapfen berühmter Fußball-Größen. Er ist nach Günter Netzer, Paul Breitner, Uli Stielike, Bernd Schuster, Bodo Illgner und Christoph Metzelder der siebte Deutsche in den Reihen der «Königlichen». Alle Vorgänger gewannen gleich auf Anhieb mit den Madrilenen einen Titel. Von den einstigen Stars Netzer, Breitner und Stielike schwärmen die Real-Fans noch heute. Metzelder blieb als einzigem Deutschen der große Triumph versagt. Der Innenverteidiger, der zum FC Schalke 04 wechselte, war bei Real häufig verletzt oder nur zweite Wahl.

Für Khedira zahlen die Madrilenen nach Medienberichten eine Ablösesumme von 14 Millionen Euro an den VfB. Davon sollen allerdings vier Millionen Euro erfolgsabhängig sein. Nach Angaben der Madrider Sportzeitungen «Marca» und «As» soll Khedira bei Real ein Gehalt von zwei Millionen Euro im Jahr bekommen. Stuttgarter Medien nannten eine deutlich höhere Summe.

Der Deutsch-Tunesier erhielt - anders als die Neuverpflichtungen Cristiano Ronaldo und Kaká vor einem Jahr - in Madrid keinen großen Bahnhof. Während der Portugiese und der Brasilianer von Zehntausenden Real-Fans im Bernabéu-Stadion begrüßt und vom Vereinspräsidenten Florentino Pérez der Öffentlichkeit vorgestellt wurden, ging die Verpflichtung von Khedira fast unbemerkt über die Bühne.

Dies hat nicht allein damit zu tun, dass der 23-Jährige kein Weltstar ist wie Ronaldo oder Kaká. Bei den «Königlichen» sind auch andere Zeiten eingekehrt. Die Madrilenen geben nicht mehr wie im Vorjahr 250 Millionen Euro für Superstars aus, sondern nur noch «bescheidene» 60 Millionen für jüngere Spieler mit guter Zukunftsperspektive. Neben Khedira nahmen sie Angel di María von Benfica Lissabon für rund 30 Millionen Euro Ablöse, Pedro León (FC Getafe/10 Millionen) und Sergio Canales (Racing Santander/5 Millionen) unter Vertrag.