Nürnberg (dpa) - Lange weiße Haare und Bart, Lederweste und Mundharmonika - als Arlo Guthrie am Samstagabend beim 35. Bardentreffen in Nürnberg seinen «Hit City of New Orleans» anstimmt, helfen ihm tausende Zuhörer beim Refrain: «Good morning America, how are you?»

Guthrie, ein klassischer US-Folk-Barde, besang mit schnarrend-nasaler Stimme den Zug zwischen Chicago und New Orleans, und wer die Augen schloss, konnte die endlose Prärie vorbeiziehen sehen. Zum Höhepunkt des Festivalthemas «Railroad Songs» brachte der Woodstock-Veteran mit Bühnenpartner Wenzel geschätzte 20 000 Zuschauer auf Touren.

Auf dem Hauptmarkt war Guthrie nicht der einzige musikalische Lokführer. Zuvor schon spielten Axel Zwingenberger und Lila Ammons ihren Eisenbahn-Boogie-Woogie. «Der rollende Achtel-Beat klingt wie eine Dampflok», sagte Zwingenberger. Er muss es wissen, jahrelang hat er sich die Nächte um die Ohren geschlagen, um Dampflokomotiven zu fotografieren. Auch auf anderen Bühnen wurde an die «Drachen auf Schienen» erinnert - zu Ehren des «Adlers» und der ersten deutschen Eisenbahnverbindung 1825 von Nürnberg nach Fürth.

Gut 60 Bands aus aller Welt spielten am Wochenende auf sieben Bühnen. Nach Schätzungen der Veranstalter sollte die Besucherzahl bis Sonntagabend auf bis zu 200 000 klettern. Entsprechend eng ging es zu. Ernsthafte Sicherheitsprobleme gab es aber nicht. Nürnberg zeigte sich von seiner mediterranen Seite: Auf dem Kopfsteinpflaster des Sebalder Platzes saßen viele Gäste in der Sonne. Und auch jenseits der großen Bühnen trommelten, geigten und klampften unzählige Straßenkünstler um die Wette. Alle paar Meter standen Hornbläser, Akkordeonspieler oder Gitarristen. Mancher hatte sich auch ein Waschbrett als Instrument vor den Bauch geschnallt.

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