Barcelona (dpa) - Bei der EM-Expedition auf dem Montjuic von Barcelona haben die deutschen Leichtathletik-Asse ihren Aufwärtstrend fortgesetzt - 2012 in London soll der Gipfel gestürmt werden.

«Ich glaube an die Mannschaft, sie hat eine tolle Perspektive für die Olympischen Spiele», sagte Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Das Team der Zukunft hat sich bei den 20. Europameisterschaften prächtig geschlagen: Schon vor dem «Super-Sonntag» hatten die Deutschen elf Medaillen erobert und damit die EM-Bilanz von Göteborg 2006 (10) übertroffen. «Wir sind enttäuschend gestartet und haben mit Überraschungen aufgehört», resümierte Prokop nach vier «tollen Tagen» mit Sternstunden und Sensationen in der Olympia-Stadt von 1992. Nur an den ersten beiden Tagen war der DLV medaillenlos geblieben. «Wenn man so viele Medaillen gewinnt, kann man nur sagen: Ziel erreicht!»

Dreimal Gold, je viermal Silber und Bronze vor dem EM-Finale dokumentieren: Der Schwung der Heim-WM in Berlin (9 Medaillen) hat den Club der «Jungen Wilden» - Durchschnittsalter 25,9 Jahre - auch in Barcelona beflügelt. Der Titel-Traum ging für Sprinterin Verena Sailer, Linda Stahl mit dem Speer und Hammer-Frau Betty Heidler in Erfüllung.

Allerdings gab es auch Enttäuschungen: Der achte Platz von Nadine Müller (Diskus) sowie das Qualifikations-Aus von Markus Esser (Hammer) und Malte Mohr (Stabhoch) waren nicht eingeplant. Dick auf dem Zettel stand auch eine Medaille für die 4 x 100-Meter-Staffel der Frauen, doch ein Wechselfehler begrub alle Hoffnungen.

«Als es nicht so gut anlief, waren wir im Fokus der Kritik», sagte Thomas Kurschilgen am Ende seiner ersten großen Mission als DLV- Sportdirektor. «Aber dann haben wir an zwei Tagen jeweils Sternstunden mit insgesamt sieben Medaillen erlebt.» Für den 49-Jährigen ist die Zahl der Edelplaketten nicht das Nonplusultra. Dies verstelle den Blick für die individuelle Leistung. «Ich bin gegen Medaillenspiegel, weil die Leichtathletik zu komplex ist, um sie mit Gold, Silber, Bronze abzubilden.»

Verena Sailers Sprint-Gold und Carsten Schlangens Silber über 1500 Meter hauchten der schon x-Mal totgesagten Lauf-Abteilung des DLV neues Leben ein. Doch über den Berg sind Sprinter, Mittel- und Langstreckenläufer längst noch nicht. «Der Laufbereich muss jetzt erkannt haben, dass er eine Chance hat», urteilte Kurschilgen. «Der Sprinterfolg sollte die Signalwirkung haben. Man kann mit starker europäischer Konkurrenz mithalten.» Dennoch sei unbestritten: «Die Situation im Langlauf muss deutlich verbessert werden.»