Buenos Aires/Brasília (dpa) - Die Unesco hat die Harzer Wasserwirtschaft zum Weltkulturerbe erklärt. Das sagte die Welterbe-Beauftragte der Kultusministerkonferenz der Länder, Birgitta Ringbeck, der Nachrichtenagentur dpa.

Damit ist das Wassersystem, das schon vor 800 Jahren Energie für den Bergbau erzeugt hat, künftig Teil der nunmehr 33 Welterbestätten in Deutschland. Die 21 Experten des Welterbekomitees hätten ihre Entscheidung in Brasília einstimmig getroffen, teilte die Unesco-Sprecherin Sue Williams mit. Deutschland hatte die Harzer Wasserwirtschaft als Erweiterung der Welterbestätte «Bergwerk Rammelsberg und Altstadt von Goslar» nominiert, die seit 1992 zum Unesco-Welterbe gehört.

Das ausgeklügelte System kleiner Stauseen, Gräben, Stollen und Wasserläufe diente den Bergleuten zur Energieerzeugung. Die wurde für die Förderung von Abbraum und Erzen sowie vor allem für die Entwässerung der Stollen benötigt. Die Wasserwirtschaft ist in Teilen bis heute erhalten und in Betrieb. Sie steht seit Jahrzehnten unter Denkmalschutz.

«Die Aufnahme des größten, seit dem Mittelalter weiter entwickelten montanen Wasserwirtschaftssystems der Welt, ist eine berechtigte Auszeichnung für dieses Meisterwerk menschlicher Schöpfungskraft», sagte Niedersachsens Kulturministerin Johanna Wanka (CDU). Sie verspreche sich davon eine große Strahlkraft für den Harz.

Dem Welterbekomitee lagen bei seiner 34. Jahrestagung in Brasilien insgesamt 39 Anträge auf Aufnahme von Denkmälern in die begehrte Erbeliste vor. Neben der Harzer Wasserwirtschaft wurden unter anderem auch Denkmäler in Saudi-Arabien, Australien, Indien und Iran in die Welterbeliste aufgenommen.

Erfolgreich war auch der Antrag der Antrag der Marshall-Inseln, das Bikini-Atoll in die Liste des Weltnaturerbes aufzunehmen. Das Atoll liegt im Pazifik und wurde zwischen 1940 und 1958 von den USA für zahlreiche Kernwaffentests benutzt. Der Status als Welterbe erleichtert den Zugang zu Fördergeldern und gilt als Touristenmagnet.

Die Unesco-Experten befassten sich auch mit Anfragen, ob geplante Baumaßnahmen mit bestimmten Weltkulturerbestätten im Einklang stehen. So gaben sie grünes Licht für den umstrittenen Bau der Mittelrheinbrücke in der Nähe des weltberühmten Loreleyfelsens. Das Unesco-Welterbe Oberes Mittelrheintal sei davon nicht gefährdet. Die Wirtschaft forderte seit langem eine Rheinquerung bei St. Goar und St. Goarshausen, denn zwischen Koblenz und Mainz gibt es auf rund 85 Kilometern weder Brücke noch Tunnel.