Madrid (dpa) - Die Reisebranche in Europa atmet auf: Die spanischen Fluglotsen werden im Ferienmonat August nicht mehr in den Streik treten. Die Lotsengewerkschaft USCA machte mit dieser Entscheidung den Weg frei zu neuen Verhandlungen mit der Flughafenbehörde AENA.

Sie hielt sich aber die Möglichkeit offen, die Lotsen in den kommenden Monaten doch noch zu Arbeitsniederlegungen aufzurufen.

Die Gewerkschaft kam mit der AENA überein, die am Wochenende abgebrochenen Gespräche noch an diesem Mittwoch fortzusetzen. Die Fluglotsen hatten in der vorigen Woche in einer Urabstimmung fast einstimmig beschlossen, aus Protest gegen eine Neuregelung der Überstunden und der Ruhezeiten die Arbeit niederzulegen. Sie ließen jedoch offen, wann der Streik beginnen und wie lange er dauern soll.

Nach dem Streikbeschluss nahm die - dem Verkehrsministerium unterstellte - Flughafenbehörde Verhandlungen mit der USCA auf, um einen Streik mitten in der Reisezeit noch abzuwenden. Beide Seiten erzielten eine Annäherung, aber keine Einigung. Die AENA forderte daraufhin die Lotsen ultimativ auf, ihren Streikbeschluss zurückzunehmen. Die spanische Regierung und die Reisebranche warnten die Fluglotsen davor, dass ein Streik mitten in der Ferienzeit dem Tourismus in Spanien schweren Schaden zufügen würde.

Die Gewerkschaft gab den Appellen schließlich nach und verzichtete auf eine Arbeitsniederlegung im August. Sie war in der Öffentlichkeit mit ihrer Haltung ohnehin auf wenig Verständnis gestoßen. Die spanischen Fluglotsen gelten als überbezahlt. Sie verdienen mehr als ihre Kollegen in den meisten anderen EU-Staaten. Zudem mussten sie sich vorhalten lassen, in den vergangenen Monaten den Flugverkehr mit «verkappten Streiks» und «organisiertem Krankfeiern» beeinträchtigt zu haben.

Der USCA-Sprecher César Cabo sagte, mit ihrem Streikverzicht im August hätten die Fluglotsen Rücksicht auf die Belange des Tourismus genommen. Die Branchenverbände hatten zuvor darüber geklagt, dass aufgrund der Streikdrohung viele Urlauber Reiseziele außerhalb Spaniens ansteuerten. Nach Angaben des Hoteliersverbandes CEHAT brachte die anhaltende Ungewissheit der Branche pro Tag Verluste von 40 Millionen Euro ein. Der Tourismus ist der wichtigste Wirtschaftszweig in Spanien. Er steuert etwa elf Prozent zur Wirtschaftsleistung bei.