Berlin/Bielefeld (dpa) - Berlin will Modemetropole sein. Mit allem, was dazugehört: Messen, Shows und einer pulsierenden Kreativszene. Die Designer aus der Hauptstadt dominieren das Bild der neuen deutschen Mode. In der Hauptstadt macht man sich schnell einen Namen.

Anders als in Hannover, Bielefeld oder Freiburg. Dabei sind die Designer dort nicht weniger talentiert. Und ihr Standort muss kein Nachteil sein. «Meine Mode ist für Bielefeld ungewöhnlicher, als sie es in Berlin wäre», sagt Friederike von Müller. Schon der Name ihres 2003 gegründeten Labels verrät die Herkunft. Es heißt Puddingtown. Als eine Puddingstadt in Nordrhein-Westfalen kennen nämlich viele Bielefeld - wegen des Lebensmittelherstellers Dr. Oetker. Von Müllers Handschrift prägten anfangs auch Küchentextilien, die zu Kleidung umgearbeitet wurden.

Die Idee dazu hatte sie bereits in den USA - in New York. Dort entwarf die gebürtige Bielefelderin nach ihrem Modestudium sieben Jahre für große Unternehmen. Zurück in der Heimat, wusste die heute 42-Jährige, was sie nicht mehr wollte: «In einem System arbeiten, in dem sich alles dem kommerziellen Aspekt unterzuordnen hat.» Ihr Gegenkonzept: Kleinstserien, Maßanfertigungen, Handwerk. Ihr Stil: farbenfroh und emotional. Nur manchmal vermisst sie die Metropole. «Ich schaue mir gern an, was die Menschen auf der Straße tragen. Und da wäre eine Stadt wie Berlin sicher inspirierender.»

Die Hannoveranerin Rike Winterberg verweist auf einen anderen Vorteil der Hauptstadt. «Dort hat sich um die Designerszene eine passende Infrastruktur mit Nähereien und Stoffgeschäften etabliert.» Dennoch, sie will in Hannover bleiben. «Weil es auch hier viele Frauen gibt, die Lust auf Individualität haben.» Winterberg Collection, so der Name ihres Labels, bietet in erster Linie Kleider an. Gefertigt ausschließlich in Deutschland, darauf legt die 34- Jährige Wert. Sie verkauft ihre eleganten, femininen Entwürfe im eigenen Geschäft, aber auch immer mehr in anderen Städten.

Dieses Prinzip eint viele der kreativen Designer, die man überall in Deutschland finden kann. Sie haben ein Kernpublikum in ihrer Stadt und wachsen dann Schritt für Schritt. Das bringt vielleicht nicht den schnellen Ruhm, aber auch nicht die Last des hohen Erwartungsdrucks.

Ähnlich sieht es auch Stefan Eckert. «Zum Imageaufbau ist Berlin sehr hilfreich. Aber die Stadt hat eine hohe Dynamik und verlangt stetig nach Erneuerung. Und das sind nicht die besten Voraussetzungen, um langfristig ein Unternehmen aufzubauen.» Der 32- Jährige galt im Januar als eine der großen Entdeckungen der Fashion Week, die zweimal im Jahr in Berlin steigt. Er blieb dennoch in Hamburg. Und er widerstand der Versuchung, den Rückenwind zu nutzen und mit einer serienreifen Kollektion schnell an Größe zu gewinnen. Stattdessen entwirft er in seinem Salon in der Elbestadt sinnliche Frauenmode.

Freiburg ist zwar deutlich kleiner als die Millionenstadt Hamburg. Doch im Breisgau ist schon manches Talent gereift - wie etwa Hannes Roether, der heute seine Kollektionen in München entwirft.