Kopenhagen (dpa) - Offiziell ist Joachim Löw für weitere zwei Jahre der Vordenker - doch planen will der Bundestrainer schon bis Brasilien 2014. Ein Satz vor dem Saisonstart verriet die bisher heimlichen Gedankenspiele des Bundestrainers.

In seinem neuen Titel- Konzept werde er prüfen, «in welche Richtung es die nächsten zwei Jahre gehen soll, die nächsten drei oder vier Jahre vielleicht», erklärte Löw noch vor dem ersten Länderspiel seiner neuen Amtszeit in Dänemark.

Die EURO 2012 wird also zur Zwischenstation auf jenem Weg, den die Spanier in diesem Sommer noch im Halbfinale gestoppt hatten: Den auf den Thron des Weltmeisters. «Die Motivation ist extrem hoch, diese Mannschaft weiterzuentwickeln», hat der 50-Jährige längst eingeräumt. Und schon jetzt ist sich der Vater der Vize-Europameisterschaft 2008 und des mit attraktivem Fußball errungenen dritten WM-Platzes 2010 sicher: «Diese Mannschaft wird erst 2014 auf ihrem Höhepunkt sein.»

In den neuen Wochen vor und während des Weltchampionats in Südafrika hat Löw praktisch als Nebenprodukt die Grundlagen für den weiteren Weg der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gelegt. Die Vertragsverlängerung des Chefs folgte fast zwangsläufig. Anders als nach der Europameisterschaft vor zwei Jahren in der Schweiz und Österreich muss der Bundestrainer keine größeren Korrekturen an seinem Konzept vornehmen, sondern es nur verfeinern.

Die Basis steht - kommt aber bei Löw immer wieder auf den Prüfstand. Von den 23 WM-Fahrern hat nur der 36-jährige Münchner Torwart Jörg Butt keine Auswahl-Zukunft. Zu den restlichen 22 Akteuren gesellen sich jene acht Nationalmannschafts-Rückkehrer (Beck, Schäfer, Schulz, Gentner, Hitzlsperger, Hunt, Träsch, Helmes) und zwei Neulinge (Riether, Reus), die der Bundestrainer für den umstrittenen Dänemark-Test berufen hatte.

Aus der aktuellen U21-Auswahl gehören mindestens ein halbes Dutzend Talente um Kevin Großkreutz, Mats Hummels und Stefan Reinartz zum erweiterten Löw-Kreis. Trotz des problematischen Termins in Kopenhagen noch zwei Wochen vor Bundesliga-Start ist Löw deshalb sogar «froh über diese gesamte Konstellation». Denn für die nächsten 13, 14 Monate der EM-Qualifikation will der Chef einen breiteren Kader. «Jetzt beginnt ein neuer Abschnitt.»

Die Jugend-Förderung bleibt auf jeden Fall ein entscheidender Baustein in Löws Konzept. «Junge Spieler sind höher belastbar», hatte er immer wieder gesagt. «Wenn junge Spieler über eine gute Qualität verfügen, dann spielt Erfahrung eine untergeordnete Rolle», lautete eine Haupterkenntnisse aus den beiden Turnieren als Bundestrainer.