Islamabad (dpa) - Die Jahrhundertflut in Pakistan hat nach Angaben der Regierung in Islamabad sechs Millionen Menschen mehr ins Elend gestürzt als von den Vereinten Nationen angenommen.

Premierminister Yousuf Raza Gilani sagte am Samstag, 20 Millionen Menschen seien vom Hochwasser aus ihren Häusern vertrieben wurden. Die Vereinten Nationen gingen von 14 Millionen Betroffenen aus, von denen sechs Millionen dringend Hilfe benötigten.

«Sintflutartige Regenfälle und verheerende Fluten haben 20 Millionen Menschen obdachlos gemacht», sagte Gilani in einer Fernsehansprache zum Unabhängigkeitstag. Das Hochwasser habe Ernte und Lebensmittel im Wert von mehreren Milliarden Dollar vernichtet. Brücken und Straßen seien fortgespült worden. Die Fluten hätten Infrastruktur zur Kommunikation und zur Energieversorgung zerstört.

Gilanis sagte, 1384 Menschen seien getötet und 1630 weitere Menschen verletzt worden. 730 000 Häuser seien durch das Hochwasser zerstört worden. Nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde (NDMA) wurden 875 562 Häuser beschädigt. NDMA verzeichnete bislang 1392 Tote und 1985 Verletzte. Mehr als 1000 Menschen starben alleine in der nordwestpakistanischen Provinz Khyber Pakhtunkhwa.

Unterdessen wurde UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in Pakistan erwartet. Seine Ankunft in Islamabad war für den Samstagabend geplant. Am Sonntag wollte Ban dann mit Regierungsvertretern zusammenkommen und das Katastrophengebiet besuchen.

Wegen der Flutkatastrophe beging Pakistan den 63. Jahrestag der Unabhängigkeit von britischer Kolonialherrschaft ohne offizielle Feierlichkeiten. Präsident Asif Ali Zardari und das Militär sagten die Zeremonien für den Nationalfeiertag am Samstag ab. Zardari wollte stattdessen Flutopfer in den Provinzen Punjab und Khyber Pakhtunkhwa besuchen. Die Armee wollte die Mittel, die für die Feierlichkeiten vorgesehen waren, Opfern der Katastrophe spenden.

Die Organisation «Ärzte ohne Grenzen» sieht derzeit noch keine Anzeichen für eine Cholera-Epidemie in den überfluteten Gebieten Pakistans. «In Pakistan gibt es immer wieder Fälle von Cholera. Derzeit haben wir aber keine alarmierenden Zahlen», sagte der Präsident der deutschen Sektion der Hilfsorganisation, Tankred Stöbe, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.