Flensburg (dpa) - Die Kostenlos-Erotik im Internet lähmt das Geschäft: Der Beate-Uhse-Konzern ist im 1. Halbjahr 2010 operativ in die roten Zahlen gerutscht. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) fiel auf minus 6,1 Millionen Euro, nach einem Plus von 686 000 Euro im Vorjahreshalbjahr.

Das teilte die Beate Uhse AG am Freitagabend in Flensburg mit. Die Umsätze gaben um 12,3 Prozent auf 96,0 Millionen Euro nach. Außerdem sprach das Unternehmen eine Gewinnwarnung aus.

Der Prozess der Neuausrichtung sei zeitintensiver als ursprünglich angenommen: «Um realistisch zu sein: der Umkehrtrend zum Lifestyle-Unternehmen für Erotik wird aus heutiger Sicht noch zwei Jahre beanspruchen», berichtete Vorstandssprecher Serge van der Hooft.

Immerhin sei die Finanzierung «vorerst gesichert»: Da eine Kündigung von Krediten vorerst ausgeschlossen sei, habe man nun die erforderliche Zeit für Restrukturierungsmaßnahmen und weitere Gespräche mit den Banken, teilte der Konzern mit.

Zu schaffen machen dem Unternehmen vor allem das einst margenträchtige, aber stark schrumpfende DVD-Geschäft und die Konkurrenz kostenloser Sexfilme im Internet. Mittlerweile wurden als neue Produkte Heimtextilien wie Bettwäsche und Handtücher mit einem erotischen Anklang eingeführt. Für die weitere Sanierung kündigte der Vorstand an, Beteiligungsverkäufe zu erwägen und weitere nicht operative Maßnahmen auf den Prüfstand zu stellen.

Wegen der schwachen Entwicklung vor allem im zweiten Quartal und der «traditionell schwachen Sommermonate» nahm der Vorstand seine Jahresprognose für 2010 zurück. Ohne mögliche Sondereffekte werde insgesamt ein negatives Ergebnis zwischen 6,5 und 8 Millionen Euro bei Umsätzen in Höhe von 204 bis 208 Millionen Euro erwartet.

Im Versand - für das Unternehmen der Wachstumsmotor - habe sich eine Aufteilung in zwei Kataloge mit «soften» beziehungsweise «harten» Angeboten nicht bewährt. Infolgedessen ging der Umsatz auf 44,4 Millionen Euro zurück, nach 49,2 Millionen im 1. Halbjahr 2009. Dabei fuhr Beate Uhse einen Vorsteuerverlust von 1,9 Millionen Euro ein (nach zuvor plus 4,4 Mio). Der Anteil der online vorgenommenen Bestellungen liege mittlerweile bei 46 Prozent.