Islamabad (dpa) - Die Opfer der Flutkatastrophe in Pakistan fühlen sich im Stich gelassen. Manche protestieren gewaltsam gegen die schleppende Hilfe. Dabei ist die Zwischenbilanz der offiziellen Stellen in Pakistan dramatisch: nahezu 1500 Tote, 20 Millionen Menschen ohne Obdach und Milliardenschäden.

In dieser Notlage sei Pakistan auf ausländische Unterstützung angewiesen, sagte Außenminister Shah Mehmood Qureshi. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) reagierte in Berlin mit Sorge und Anteilnahme auf die Jahrhundertflut.

Das «vielleicht nie dagewesene» Ausmaß der Katastrophe sei schockierend, sagte der neue deutsche Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag. Angesichts der relativ geringen Spendenbereitschaft sprach die Deutsche Welthungerhilfe von einer «humanitären Pflicht», Pakistan zu helfen.

Zunehmend kritisch ist die Lage in der Stadt Jacobabad im Süden des Landes. «Wir arbeiten hart daran, das Wasser von Jacobabad wegzulenken», sagte der pakistanische Sportminister Ijaz Jakhrani am Montag. Jakhrani hält sich derzeit in der Stadt in der Provinz Sindh auf, in der auch sein Wahlkreis liegt.

Jakhrani sagte, knapp ein Viertel der zwischen 300 000 und 400 000 Einwohner der Stadt sei in Sicherheit gebracht worden. Die Umgebung von Jacobabad wurde bereits überflutet. Dort ist auch ein Luftwaffenstützpunkt vom Hochwasser bedroht. Die Behörden hatten schon am Freitag eine Flutwarnung für Jacobabad herausgegeben und die Einwohner zum Verlassen der Stadt aufgerufen. Zahlreiche Bewohner weigerten sich aber, ihre Häuser und ihren Besitz zurückzulassen.

Nach jüngsten Angaben der nationalen Katastrophenschutzbehörde NDMA starben durch die Fluten in Pakistan bislang 1463 Menschen, 2024 Menschen wurden verletzt.

Ministerpräsident Yousuf Raza Gilani hatte am Samstag gesagt, 20 Millionen Menschen seien durch das Hochwasser obdachlos geworden. Das ist etwa jeder achte Einwohner des Landes. Meteorologen sagten weitere Regenfälle voraus.