Viele Musiker auf St. Pauli kamen damals aus Großbritannien, vor allem aus Liverpool. «Im Top Ten und ab 1962 erst recht im Star-Club herrschten weitaus professionellere Auftrittsbedingungen als in den Liverpooler Lokalen», weiß Krüger. Und die talentierten, gut aussehenden und neugierigen jungen Beatles hätten die besten Voraussetzungen mitgebracht. Hier entwickelten und kultivierten sie ihren Stil - nicht nur musikalisch. Gerade in Sachen Geschmack, Optik und Auftreten hätten Freunde wie Kirchherr, Klaus Voormann und Jürgen Vollmer - Studenten und Existenzialisten, die sich an der französischen Kultur orientierten - viel Einfluss auf die jungen Beatles gehabt.

Als sie am Silvesterabend 1962 ihr letztes «Star-Club»-Konzert gaben, hatten die Beatles Hamburg längst erobert. Inzwischen mit der ersten Single in den englischen Hitparaden («Love Me Do») und mit Ringo Starr statt Pete Best am Schlagzeug machten sie sich nun daran, ihren weltweiten Siegeszug anzutreten. Das Phänomen Beatlemania ergriff erst die Heimat der Briten, später die ganze Welt. Als erfolgreichste Band des 20. Jahrhunderts gilt die Gruppe, die sich bereits 1970 wieder trennte - und Hamburg darf sich ihrer Lehrjahre rühmen. Oder wie sagte es einst John Lennon? «Ich bin in Liverpool aufgewachsen, aber in Hamburg bin ich erwachsen geworden.»