München (dpa) - In die Kapitäns-Frage will sich Joachim Löw von niemandem reinreden lassen und hält sich bedeckt - Michael Ballack erwartet der Bundestrainer aber in alter Leistungsstärke zurück.

«Michael hat sich bei einem Top-Verein wie Chelsea über Jahre hinweg durchgesetzt, hat regelmäßig gespielt und körperlich einen guten Eindruck hinterlassen. Ich denke, er wird nun auch bei Leverkusen eine wirklich gute Rolle spielen», sagte Löw in einem Interview des «Kicker». Ballack hatte beim 4:0 in einem Test gegen den SV Wehen Wiesbaden 90 Minuten unter Wettkampfbedingungen durchgehalten.

Beim Comeback nach seiner Sprunggelenksverletzung durfte Ballack die Bayer-Testspiel-Elf als Kapitän anführen. Ob er das wieder beim DFB-Team machen wird, ist seit Wochen in der Öffentlichkeit eine große Frage. «Ich habe für mich eine ganz klare Entscheidung getroffen, wie die Konzeption nach der WM aussieht, wann Entscheidungen, die vielleicht auch schon getroffen sind, mitgeteilt werden. Ob das die Kapitäns-Diskussion ist oder die jetzt auch wieder gestellte Frage nach den Torhütern», sagte der Bundestrainer.

Michael Ballack sei bis zur Verletzung «immer Leistungsträger der Nationalelf» gewesen und passe «natürlich» auch in den Spiel-Stil der DFB-Auswahl. «Er hat nie das Spiel gestört oder gebremst, sondern ganz im Gegenteil sehr oft sehr gute Leistungen gebracht.»

Beim ersten Länderspiel der Saison, beim 2:2 gegen Dänemark, hatten die Kapitäns-Anwärter Ballack und Philipp Lahm gefehlt. Der 33 Jahre Leverkusener arbeitete in Leverkusen an seiner Genesung, der 26-jährige Lahm sollte sich nach der kurzen Pause in München auf die neue Saison vorbereiten. Und das ist angesichts der FIFA-Termine schon schwierig genug.

«Ich bin grundsätzlich der Ansicht, dass man über den Rahmenterminkalender sprechen muss - im Sinne aller, vor allem im Sinne der Spieler. Ihre Gesundheit und dauerhafte Leistungsfähigkeit stehen auf dem Spiel. Wenn Spieler, die zuvor lange in einem Turnier gewesen sind, mitten in der Vorbereitung schon wieder einen Wettkampf bestreiten sollen, dann ist das fragwürdig», regte Löw Nachdenken beim Weltverband an. «Und das nächste Riesenproblem ist doch schon programmiert.»

Löw wies damit auf die EM-Qualifikationsspiele in Österreich und Aserbaidschan im Juni 2011 hin. Diese finden im Anschluss an die Liga-Saison nach Pokal-Endspiel und dem Finale der Champions League statt. «Gehen wir davon aus, dass die Mehrzahl der Spieler nicht in den beiden Finals steht, haben diese eine dreiwöchige Zeitspanne ohne Spiel: Was soll man denn da mit ihnen machen? Wie kann man die drei Wochen gestalten? Durchtrainieren ohne Spiel?», mahnte der 50-Jährige an. Nationalspieler spielten ohne inzwischen fast im Drei-Tages- Rhythmus, es fehle die Zeit für eine gute Trainingsarbeit.