Riesenbeck (dpa) - Der erfolgreichste Reiter fliegt nicht zur WM, aber das angedachte Karriereende schiebt er auf. Ludger Beerbaum hat vor der Nominierung des WM-Teams von sich aus auf einen Start in Lexington verzichtet, obwohl ihm gerade dieser Titel noch fehlt.

Den Traum von der Einzel-Weltmeisterschaft wird der Reit-Star sich in den USA nicht erfüllen können. Er muss weitere vier Jahren warten. Und der 46-Jährige wird deshalb wohl das für die Olympischen Spiele 2012 geplante Ende der Karriere hinauszögern. Dabei sollte mit spätestens 50 Jahren eigentlich Schluss sein.

«Mit 50 will ich nicht mehr im Sattel sitzen», lautete Beerbaums Standard-Antwort auf Fragen zum Ende seiner Laufbahn. Nun kommt es für den Weltklasse-Reiter, der Ende des Monats 47 Jahre alt wird, anders. «Man soll niemals nie sagen», sagte er nun zur WM 2014: «Gotha ist dann 13 Jahre alt. Das ist das beste Alter. Ich will das nicht ausschließen. Es gibt so viele Gedanken. Es ist noch nicht entschieden.» Der Traum vom letzten fehlenden Titel lebt weiter.

Beerbaum ist nicht nur der erfolgreichste Reiter der zurückliegenden zwanzig Jahre, der allein bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften elf goldene Medaillen gewonnen hat. Er ist auch Realist. «Es hat keinen Zweck», sagte er mit Blick auf die bevorstehende WM. «Mir fehlte die Überzeugung.» Das hat er auch Bundestrainer Otto Becker gesagt. «Ich bin froh, dass es geklärt ist.»

«Sie ist zu jung und zu unerfahren», fasste Beerbaum die Leistung seiner Stute Gotha beim CHIO in Aachen und bei der deutschen Meisterschaften in Münster zusammen. Die Hoffnung zerstob von Runde zu Runde. Mehr als 34 Strafpunkte sammelte er mit dem neunjährigen Pferd in insgesamt sechs Runden. Das WM-Aus war die logische Konsequenz.

Mit Becker, mit dem er sich in früheren Jahren einige Scharmützel geliefert hatte, sprach Beerbaum den Verzicht frühzeitig ab. «Ich will ja keine Extrawurst», sagte Beerbaum. Der viermalige Olympiasieger und achtmalige deutsche Meister kam dem Coach damit wahrscheinlich zuvor. Zumindest machte er es ihm leichter.

Trotz des Start-Verzichts steht Beerbaum auf der sogenannten «Longlist» für die Weltreiterspiele vom 25. September bis 10. Oktober in Kentucky. Insgesamt stehen auf der Liste zehn Reiter. Welche vier bei der WM starten, will Bundestrainer Otto Becker (Sendenhorst) erst im Laufe dieser Woche bekanntgeben. Als sichere Starter gelten aber Marcus Ehning (Borken) mit Plot Blue, Marco Kutscher (Riesenbeck) mit Cash, Carsten-Otto Nagel (Wedel) mit Corradina sowie die deutsche Meisterin Meredith Michaels-Beerbaum (Thedinghausen) mit Checkmate. Offiziell muss Becker sich erst Ende September festlegen.