Berlin (dpa) - Im Atomstreit hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Drohungen der Stromkonzerne kritisiert. «Wenn Gespräche laufen, ist es nicht hilfreich, wenn irgendwelche Drohgebärden nach außen dringen», sagte Merkels neuer Sprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin.

Die Konzerne sollen zuvor die Regierung gewarnt haben, ihre Atommeiler sofort abzuschalten, falls Schwarz-Gelb eine neue Steuer und höhere Sicherheitsanforderungen festlege. Opposition und Umweltschützer sprachen von einer «leeren Drohung».

Grünen-Chef Cem Özdemir sagte: «Wenn die Atom-Lobby die ältesten Schrottmeiler abschalten möchte, ist sie herzlich dazu eingeladen, dies zu tun.» Die Stromkonzerne boten unterdessen der Regierung an, die Hälfte der erwarteten Milliarden-Zusatzgewinne aus längeren Laufzeiten an den Staat abzutreten.

Die Bundesregierung betonte, es gebe noch keine Festlegung bei den Laufzeiten. Dies werde zusammen mit dem Energiekonzept entschieden. Seibert sagte, Drohgebärden, Ankündigungen und Säbelrasseln brächten die Gespräche nicht voran: «Das dient nicht.»

Offen ist weiterhin, in welcher Form die neue Brennelementesteuer erhoben werden soll. Die Regierung unterstrich aber, dass das im Sparpaket verabredete Volumen von 2,3 Milliarden Euro ab 2011 in die Kasse kommen müsse.

Der FDP-Umweltexperte Michael Kauch forderte, an der Brennelementesteuer festzuhalten. Auch mit der Steuer lohne sich der Betrieb von Atommeilern: «Das Einzige, was passiert, ist die Senkung der Gewinne aus abgeschriebenen Anlagen.» Die Verbraucherzentralen riefen die Koalition auf, hart zu bleiben: «Die Bundesregierung darf sich von den Drohgebärden nicht beeinflussen lassen.»

Die Atombetreiber haben laut Branchenkreisen inzwischen der Regierung als Alternative zur Steuer eine Vertragslösung angeboten, wie Zusatzgewinne aus längeren Laufzeiten abgeschöpft werden können.