Berlin (dpa) - Job-Garantie, aber Ministerschelte für Claudia Pechstein: Die gesperrte Eisschnelllauf-Olympiasiegerin bleibt Beamtin auf Lebenszeit, muss aber umgehend ihren Dienst bei der Bundespolizei antreten.

Das Bundesinnenministerium hat das Disziplinarverfahren gegen die Berlinerin eingestellt. Damit darf Pechstein, die seit 1993 der Bundespolizei angehört und seit Jahren als Polizeihauptmeisterin tätig ist, trotz ihrer zweijährigen Dopingsperre wegen erhöhter Blutwerte den Beamten-Status behalten.

«Wir betrachten ein Urteil des Sportgerichtshof CAS mit indirektem Beweis als wegweisendes Urteil, aber ein Disziplinarverfahren ist etwas anderes. Da muss eine Entscheidung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eindeutig sein und jeden Zweifel ausschließen», sagte Bundesinnenminister Thomas de Maiziere in Berlin. Nach den geltenden Beweislastregeln in einem behördlichen Disziplinarverfahren habe der Dienstherr das Vorliegen des Dienstvergehens - also Blutdoping - zu beweisen. «Es blieb uns gar nicht übrig, als das Verfahren in dubio pro reo einzustellen», erläuterte de Maiziere.

Er machte aber auch keinen Hehl daraus, dass ihm das Verhalten der fünfmaligen Olympiasiegerin in den zurückliegenden Monaten nicht gefallen hat. «Ich verstehe vollkommen, dass sie mit allen Mitteln den Kampf um ihre Ehre und ihren Ruf führt, aber das Verhalten gegenüber ihrem Dienstherren war nicht stilbildend. Das muss jetzt ein Ende haben. Deshalb lege ich auch Wert darauf, dass sie den Dienst antritt», sagte der Minister. De Maiziere dürfte es missfallen haben, dass die 38-Jährige während ihrer Krankschreibung Urlaub beantragte, um an einem Inline-Skating-Wettkampf teilzunehmen oder wie in der Vorwoche eine Currywurst-Bude zu eröffnen.

«Für mich ist das keine Überraschung. Ich kann nur wiederholen, was ich von Anfang gesagt habe. Ich habe nie gedopt. Da es keinen Beweis für das Gegenteil geben kann, konnte es auch keine Strafe geben», sagte Pechstein zur Einstellung des Verfahrens. Es war im Juli 2009 eingeleitet worden.

Die Sperre wegen erhöhter Retikulozyten-Werte per indirektem Beweis und Pechsteins juristische Schritte haben mit dem nun abgeschlossenen Verfahren direkt nichts zu tun. Nach einer Fristverlängerung für den Eislauf-Weltverband wird das Urteil des Schweizer Bundesgerichts zu ihrem Revisions-Antrag erst Mitte September erwartet. Pechstein möchte damit das Verfahren vor den Sportgerichtshof CAS neu aufrollen, nachdem ihr Hämatologen eine eine Blutanomalie als Grund für ihre hohen Werte bestätigt hatten.

Pechstein, deren Sperre bis zum 8. Februar 2011 läuft, nimmt nach Auslauf ihrer Krankschreibung nun noch einige Tage Resturlaub. Ihr wurde durch das BMI eine Dienststelle in Berlin angeboten, nachdem Polizeiärzte ihr eine «Teildienstfähigkeit» bescheinigt hatten. «Ich habe volles Verständnis für die Erwartungshaltung meines Arbeitgebers. Im Moment kann ich mir noch gar nicht vorstellen, wie es möglich sein soll, das Bangen und Hoffen im Revisionsverfahren, meinen eigenen sportlichen Anspruch und die Anforderungen an den Job vom Kopf her zu bewältigen», meinte Pechstein.